Brot und Spiele

Brot und Spiele – Pax romana – pax americana – Steine zu Brot?

Grundsätzlich können drei Phasen des Imperialismus bzw. Hegemonialismus unterschieden werden: die frühen theokratischen Reiche des Ostens (Kaiserreiche China und Japan), Persien und die ägyptisch chaldäischen Reiche der Priesterkönige im Nahen Osten. Dann die Phase des römischen Kaiserreiches, welches in den Imperialismus des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation einmündete und in einem Gott-Kaisertum, das, beeinflusst durch das Papsttum, versuchte, die Macht der Kirche aufrechtzuerhalten. Als drittes sind weder das napoleonische Kaiserreich noch das braune 1000-jährige Reich Hitlers noch das Reich der roten Zaren der Sowjetunion groß davon zu unterscheiden, da in ihnen versucht wurde, alte „1000-jährige“ Reiche zu imitieren. Die dritte Phase ist vor allem im angloamerikanischen Wirtschaftsimperialismus zu verorten, der im 19. Jahrhundert seinen Anfang nahm und sich bis heute weiter, stärker und immer totalitärer ausprägt.

Unipolare Auffassungen des Staatswesens führen zu Intoleranz und Unterdrückung

Dominiert, wie dies in den theokratischen Hegemonien der Fall war, das Geistesleben in Form von Ideologien oder Dogmen, wirkt es mittels des Politisch-Rechtlichen diktatorisch parasitär an der Wirtschaft.
Dominiert das Politisch-Rechtliche, welches den bürgerlichen Egoismus zu kanalisieren hat – Beginn der fatalen Unterscheidung zwischen Recht und Gerechtigkeit durch den Übergang des göttlichen Rechts (fas) zum bürgerlichen Recht (jus) – saugt es die Wirtschaft aus, das Bildungswesen wird autoritär verwaltet und wirkt ideologisch. Wirtschaftliche Schwierigkeiten werden aus bloßer Routine oder durch Zwangsmaßnahmen angegangen, weil das staatlich-rechtliche System auch das Gewaltmonopol inne hat und so notwendigerweise konservativ auf dem etablierten System beharrt. Diese Fehlentwicklung war und ist auch im Kommunismus zu beobachten.
Dominiert aber die Wirtschaft, wie dies im angloamerikanischen Wirtschaftsimperialismus der Fall ist, der heute unter dem Vorwand der Demokratisierung und Durchsetzung der Menschenwürde – als einem plumpen Lügenkonstrukt -, weltweit um sich greift, erhalten die Kultur, das Bildungswesen sowie das Staatsrecht mit dem Gewaltmonopol Warencharakter und werden ebenso wie der Mensch selber einzig unter dem Gesichtspunkt des jeweiligen wirtschaftlichen Nutzwertes gesehen.

Anglo-amerikanischer Wirtschaftsimperialismus und moralisch-kulturelle Dekadenz oder Tittytainment als Globalisierungsfalle

Der Wirtschaftsimperialismus hat durch das raffinierte Instrument der Kreditvergabe, die als Guthaben verbucht, die Funktion von ‚Zins und Zinseszins‘ auslöst und damit durch die Geldschöpfung aus dem Nichts (Fiat money) und die Spekulation die gesellschaftliche Entwicklung totalitär kommerzialisiert und so alles zur Ware gemacht, was ursächlich nie Ware sein dürfte: Geld, Arbeit, Boden und dadurch den Menschen selbst.
Zwei wichtige und gewichtige amerikanische Präsidenten sprechen es deutlich genug aus:
Dem Erst-Weltkriegs-Präsidenten Woodrow Wilson wurde erst viel später bewusst, nach dem 1913 überhastet beschlossenen Gesetz über das FED (Federal-Reserv-System), mit dem Geld- und Kreditsystem einem privaten Bankenkonsortium übertragen wurde, woran er mitgewirkt hatte: „Ich bin ein höchst unglücklicher Mann. Ich habe unbeabsichtigter Weise mein Land ruiniert. Eine große Industrienation wird nun von ihrem Kreditsystem beherrscht. Unser Kreditsystem liegt konzentriert in den Händen einiger weniger. Wir sind zu einer (…) der am meist kontrollierten und dominierten Regierungen der Welt geworden, (…) Unsere Regierung basiert nicht länger auf der freien Meinung, noch auf der Überzeugung und dem Mehrheitsbeschluss, es ist nun eine Regierung, welche der Überzeugung und dem Zwang einer kleinen Gruppe marktbeherrschender Männer unterworfen ist.“
Franklin D. Roosevelt, US-Präsident von 1933-1945, schrieb in einem vertraulichen Brief: „Die tatsächliche Wahrheit ist, dass seit den Tagen von Andrew Jackson (US-Präsident 1829-1837) gewisse Teile der großen Finanzzentren die Regierung beherrschen.“
So ist es in der Tat, das Politiker seit dem schicksalshaften Jahr 1913 bloß noch ausführende Organe einer ‚kleinen, marktbeherrschenden Gruppe von Männern‘ sind. Diese haben kein Interesse daran, dass sich der einzelne Mensch zur Mündigkeit, d.h. zu eigenständigem Denken, entwickeln kann. Ebensowenig wie dies in den theokratischen Kaiserreichen oder im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation oder in sämtlichen totalitären Staaten seit dem 19. Jahrhundert der Fall war.
Der Wirtschaftsimperialismus unterscheidet sich dadurch von allen anderen Imperialismen, dass er das ‚Tittytainment‘ als Falle für die Menschen entdeckt hat. Dieses nimmt dem Menschen das eigene Kulturschaffen und damit das eigenständige Denken ab. So wird der Mensch dumpf gemacht, d.h. seine Intelligenz wird in eine Richtung gelenkt, die es verunmöglicht, neue Gedanken zu denken, da die Tittytainment-Industrie den Konsum-Bauch so lange pinselt, bis er zufrieden ist und ruhiggestellt. Umso schrecklicher wird das Aufwachen sein, wenn die Erkenntnis kommt, dass die völlige Versklavung durch die unersättlichen Bedürfnisse des Bankenkartells, das die Welt beherrscht, gelungen ist.

Treffende Analysen gibt es jede Menge – Auswege?

Es ist auffällig, wie viele intelligente Analysen der oben geschilderten Entwicklung es gibt. Ebenso auffällig ist es, dass es schwierig ist, Lösungsansätze zu finden, um aus dem raffiniert angelegten Irrgarten ‚Geld- und Kreditsystem des Fiat money‘ herauszufinden. Wo ist der Faden der Ariadne? Lösungsansätze bedürfen des die Analyse ergänzenden Denkens der Synthese, diesem obliegt es, die Fakten aus der Beobachtung, deren Feld sämtliche Phänomene angehören, zu welchen auch jene der Analyse zu zählen sind, neu zu denken und mit der Wirklichkeit abzustimmen.
So finden wir den Faden der Ariadne in uns selber, indem wir gesicherte Fakten, seien diese statistischer oder universitär theoretischer Art, ebenso als Beobachtungen behandeln wie alles andere, was uns im Feld unserer Wahrnehmungen und unserer Vorstellungen begegnen kann. Dabei darf es aber nicht bleiben, denn unsere Wahrnehmungen und unsere Vorstellungen sind geprägt durch unser Umfeld und durch die Medien … „Die gefährlichsten Massenvernichtungswaffen sind die Massenmedien“. Wir müssen also aus eigener Initiative suchen und finden.

Grundverständnis des Wirtschaftens

Es braucht den Willen sich in Grundideen hineinzuarbeiten, wenn wir die Natur, die Gesellschaft und die Geschichte verstehen wollen und was aus diesen Grundideen herauswächst, ist dasjenige, was zu uns sprechen und durchschaut werden will.
Das fundamentale Verständnis für die Grundlage der gesellschaftlichen menschlichen Entwicklung finden wir in ihrer eigenen, sich über die Jahrhunderte entfaltenden Wirksamkeit: In der Urproduktion finden sich vorerst ausschließlich Menschen zusammen, die an der Natur arbeiteten. Durch diese Arbeit ernähren sie sich selber und die von dieser Arbeit Freigestellten: die Kinder, die Alten, die Kranken, schwangere Frauen, zur Arbeit Unfähige. Die Gesamtheit der körperlichen Arbeit an der Natur sorgt für die Bedürfnisse der Gesamtbevölkerung. Durch die Zirkulation von Waren entsteht Wertbildung in der Wirtschaft. Das Ergebnis körperlicher Arbeit, das von einer bestimmten Bevölkerungszahl auf einer existentiell von ihr benötigten Bodenfläche geleistet wird, ist als Urwert in diesem Sinne ‚reiner‘ Naturgewinnungswert und bildet die Basis der Geldschöpfung.
Als weiterer Schritt stellt sich die Organisation der körperlichen Arbeit an der Natur durch Intelligenz heraus. Dies geschieht durch die von der Arbeit an der Natur freigestellten arbeitsfähigen Personen. Sie bewirken eine Rationalisierung der Arbeit an der Natur. Die eingesparte Arbeit an der Natur entspricht als Überschuss aus dieser Arbeit der Bevorschussung der in Industrie und Dienstleistung tätigen Personen. Diese erleichtern und rationalisieren die Arbeit an der Natur. Die Organisation der körperlichen Arbeit bedeutet geistige Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinn. Die Überschüsse aus der Arbeit an der Natur durch Rationalisierung bilden das Entstehungsmoment von Industrie und Dienstleistung. Sie beinhalten die Emanzipation von der Arbeit unmittelbar an der Natur. Dadurch wird Kapital als Produkt der Ideenfähigkeit gebildet. Kapital hier im Sinne eines weiteren Produktionsfaktors (Maschinen, Arbeitserleichterungen, Transportmittel usw.) neben Arbeit und Boden. Die nichtproduktiven Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Kunst, Literatur, Pflege, Ideen zur Rechtsprechung usw. müssen ebenso durch die Überschussproduktion aus der Arbeit an der Natur versorgt werden, welche mit den Fortschritten der Industriealisierung stetig zunimmt. Immer weniger Menschen können immer mehr Menschen ernähren.

Zins und Zinseszins

Das Geld selber als Äquivalent zur zirkulierenden Ware ist keinesfalls als Ware zu betrachten, sondern als Abbild eigentlicher Waren-Tauschgeschäfte, die aber ihrem Charakter gemäß in ihrer Abwicklung viel zu kompliziert wären. So kommt es auch zur Differenzierung im Geldsystem, da Bargeld als staatlich gesichertes Äquivalent zur Ware im weltweiten Warentausch zu kompliziert wird, ist das staatlich nicht oder nur teilweise abgesicherte Giralgeld der Ausweg, den Handel zu erleichtern. Gleichzeitig ist mit dem Giralgeld das raffinierte Mittel entstanden, die Menschen völlig in die Finger der Banken zu geben. Daher kommt auch die Tendenz, das Bargeld nach und nach abzuschaffen. Ist dieser Schritt getan, entfällt per Definition jeglicher rechtliche Anspruch auf Geld völlig oder teilweise. Giralgeld ermöglicht die Geldschöpfung aus dem Nichts, die dadurch geschieht, dass Kredite als Guthaben für neue Kreditvergaben zu Zins und Zinseszins vergeben werden. Mit der Bodenproduktion als Basis für die Geldschöpfung wird die Geldschöpfung aus dem Nichts verhindert, da so die Geldmenge beschränkt ist. Damit der Wirtschaftskreislauf funktioniert, muss das Geld in stetem Fluss sein. Wird Geld gehortet oder in die Finanzwirtschaft, als einem sekundären Wirtschaftskreislauf aus der Realwirtschaft abgezweigt, dann ist der Wirtschaftskreislauf der Realwirtschaft gestört. Die Aufhebung des Zinseszinses und womöglich ein Zins, der den Aufwand der Gelddienstleistungsinstitute entschädigt, sind wahrscheinlich zu wenig wirkungsvoll, als dass das Horten von Geld aufgegeben wird. Daher ist es wohl notwendig, um das Geld im Wirtschaftskreislauf zu halten, dass eine jährliche Entwertung von Sparkapitalien stattfindet. Der Prozentsatz der Entwertung muss in der Praxis herausgefunden werden.
Ebenso stören Zins und Zinseszins auf Leihgeldern und Kreditvergaben den Wirtschaftskreislauf. Diese müssten womöglich zinsfrei und auf Zeit ablösbar und erneuerbar sein.

Der richtige Preis

Die Überschüsse der Landwirtschaft durch eingesparte Arbeit und die dadurch ermöglichte Kapitalproduktion (Maschinen, Werkzeuge usw.) auf Grund von Ideen in Industrie und Dienstleistung von Menschen, die von der Arbeit an der Natur freigestellt sind, müssen sich in einer gesunden Volkswirtschaft immer die Waage halten.
Das Geld ist, wie oben dargestellt, ein Spiegelbild des Wertes der Bodenproduktion bzw. der Summe der körperlichen Arbeit an der Natur. Es gibt keinen andern Standard für die Geldmenge als die Wertkonstante des Sozialproduktes einer wirtschaftenden Gemeinschaft.
Dem Wirtschaftsstrom des Warenangebotes und der Nachfrage nach Geld kommt der andere Strom der Nachfrage nach Waren und des Angebotes von Geld entgegen. Im Aufeinandertreffen dieser beiden Ströme, so dachte man bis jetzt, bildet der Markt automatisch den Preis. Dem ist aber nicht so, sonst müsste es die Preisüberwachungsämter in modernen Industriestaaten nicht geben. Preise werden noch und noch manipuliert zugunsten von Kartellen und unseriösen Unternehmern.
Letztlich geht es darum, den richtigen Preis zu finden: Der Hersteller eines Produktes muss für dieses den Preis erzielen, der es ermöglicht, seine eigenen Bedürfnisse und die seiner Angehörigen sowie die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter und deren Familien zu befriedigen. Als Verbraucher, die den Preis zu zahlen haben, kommen er selber, die Mitarbeiter und deren Familien sowie jeder potenzielle Verbraucher außerhalb in Frage. Dem Betrieb wird aufgetragen, seine Produkte so zu verkaufen, dass der Erlös zur Deckung der Gesamtheit der Bedürfnisse der zugehörigen Familien durch die Produkte anderer Betriebe ausreicht. Wenn jeder sich so verhält, dann kommt die Wirtschaft ins Gleichgewicht. Jede Preis- und Einkommensbildung ist eine Entscheidung über Lebensraum in der Zukunft und sollte, weil sie dies ist, auch aus dieser Erwägung heraus und aus den mit ihr verbundenen Abschätzungen getroffen werden. Dieser Prozess ist allein und einzig ein Prozess des Wirtschaftens. Die Politik hat hier keine Berechtigung einzugreifen, wie das z.B. in sozialistischen Staaten oder aber auch in der Subventionswirtschaft der Fall ist, wo staatliche Gelder (Steuern) die Preisbildung verfälschen.

Preis und Einkommen

Die Frage entsteht, ob es einen objektiven Maßstab für die Bedürfnisse der Einzelpersonen gibt. Da Bedürfnisse subjektiv sind, ist dies schwierig. Dennoch können keine illusorischen Bedürfnisse seitens des Herstellers an den Verbraucher gestellt werden. Eine Richtlinie dazu kann im Pro-Kopf-Nationaleinkommen gefunden werden. 2012 beispielsweise betrug dieses in der Schweiz 46‘200 SFr. Dies könnte als Richtwert 1 bezeichnet werden. Die Richtzahl des Bedürfnisses für eine vierköpfige Familie könnte natürlich nicht einfach mit vier multipliziert werden. Aber man könnte sich denken, dass Vater und Mutter je mit Richtwert 1 bedacht würden. Dann das erste Kind mit Richtwert 0,5 und das zweite Kind mit Richtwert 0,25. Dies ergäbe das Bedürfnis von 127‘050 SFr. Davon könnte diese Familie gut leben. Diese ‚Anregung durch einen Richtwert‘ kann eine Gesprächsgrundlage zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur freien Vertragsverhandlung darstellen, die es ermöglicht, die Arbeit aus dem veralteten Abhängigkeitsverhältnis zwischen Unternehmer und Arbeitsleister, welche durch die Lohnzahlung bedingt ist, herauszulösen. Die Preise sind wie oben dargestellt so gestaltet, dass sie als Einkommen, nach Abzug aller Unkosten, die Bedürfnisse des Herstellers und seiner Mitarbeiter mitsamt deren Angehörigen befriedigen können. Die Arbeit darf nicht mehr als Ware betrachtet werden, was sie durch an Arbeitsleistung gebundene Lohnzahlung wird, sondern sie soll aus dem rein Wirtschaftlichen in den rechtlichen Bereich gehoben werden, wo sie auch hingehört, da das Arbeitsverhältnis vertraglich geregelt wird. So soll es ermöglicht werden, dass jedes Mitglied der menschlichen Gesellschaft seine der Kulturentwicklung angepassten Lebensbedürfnisse befriedigen kann. Die Abgrenzung gegenüber kommunistischen Ideen wird klar gezogen. Im Kommunismus wird der Preis durch den Staatsfunktionär festgelegt. In der hier abgehandelten Denkweise stehen die wirklichen Lebensbedürfnisse der Hersteller und die wirklichen Möglichkeiten der Verbraucher im Zentrum. Beide sollen der Kulturentwicklung angemessen sein. Die Lebensbedürfnisse der Arbeitnehmer werden im freien vertraglichen Verhältnis mit dem Arbeitgeber in Berücksichtigung des Pro-Kopf-Nationaleinkommens unabhängig von der Arbeitsleistung vertraglich-rechtlich geregelt. Damit wird die Gefahr der Lohnversklavung verhindert.

Invers polares Verhältnis
So muss der Betrieb schauen, dass er mit seinen Mitarbeitern durch die Qualität seiner Warenangebote, die Nachfrage so aktivieren kann, dass in etwa die Pro-Kopf-Einkommen, die den Lebensbedürfnissen des Arbeitsleiters und der Arbeitsleister mit ihren Familien erreicht werden. Danach müssen sich die Preise seiner Waren richten. So wird Angebot an Waren zu dem notwendigen Preis zu einer Nachfrage nach Geld des Verbrauchers. Der Verbraucher hat eine Nachfrage nach Waren und ein bestimmtes Angebot an Geld. Das Verhältnis ist also invers polar und muss zur Deckung kommen, wenn die Wirtschaft gesund ist. Den Menschen, die nicht produktiv tätig sind, also Künstlern, Schriftstellern, Spitalpersonal, Pflegepersonal im allgemeinen, Juristen, Lehrern, Pädagogen, Pastoren usw. muss dieses Pro-Kopf-Einkommen natürlich ebenso zur Verfügung stehen. Es wird durch die produktiv arbeitende Bevölkerung erarbeitet und besteht aus den erreichten Überschüssen. Bis heute wird dies durch ‚erzwungene‘ Schenkungen (sprich Steuern) oder freie Schenkungen (Sponsorentum) ermöglicht. Im Idealfall können durch freiwillige Schenkungen staatliche Steuern mehr und mehr reduziert werden.
Ziel wäre es, dass sich in wirtschaftlichen Assoziationen, in denen sich regionale Betriebe (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen) mit gesellschaftlichen Institutionen (Altersheime, Gemeinden, Kantone, Bund, Armee, Polizei, Gerichte, Gefängnisse, Feuerwehren) und kulturellen Korporationen (Bildungswesen, Gesundheitswesen, kirchliche Institutionen jeglicher Religion, Kunstschaffen) zur wirtschaflichen Zusammenarbeit finden könnten. Diese können sich grenzübergreifend regional bilden, da sie nicht zwingend mit den Grenzen ihrer Nation übereinstimmen müssen. Z.B. Region Oberrhein oder Tessin-Norditalien usw. In den Assoziationen lassen sich unterschiedliche Ausprägungen zwischen invers polaren Angeboten und Nachfragen regeln. Der Staat regelt einzig, was auf rechtlicher Ebene alle Errungenschaften des Arbeitsrechts, die zur Wahrung der Menschenwürde und der freien Entfaltung des Individuums notwendig sind: z.B. Arbeitszeit, Ferien, Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsschutz usw. Alles andere wird in der wirtschaftlichen Assoziation geregelt und hängt von den regionalen Begebenheiten ab.

Tripolares Staatswesen
Wo der Staat keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugriff haben darf, da dort die Freiheit des Geistes wirken können muss, das ist im kulturellen Bereich. Einzig dort darf er Zugriff nehmen, wo die Menschenwürde und die Freiheit der anderen Menschen durch intolerante, menschenunwürdige kulturelle Tätigkeiten gefährdet sind (menschenverachtende Brutalitäten, Obszönitäten, Diskriminierung, usw). Dies ist durch demokratische Gesetzgebung des politischen Rechtslebens zu regeln. Alles andere muss der freien Initiativkraft überlassen werden, die alle drei Bereiche des sozialen Zusammenlebens befruchtet. Den eigenen kulturellen, den politisch, parlamentarisch demokratischen und durch die innovativen Ideen den wirtschaftlichen Bereich. Das Ideenleben einer Gesellschaft ist deren wahres Kapital und deren Reichtum.

Unipolarität, Multipolarität
Seit dem 19. Jh. zeigt sich am anglo-amerikanischen Imperium, dass das unipolare Hegemonialstreben nur mit Gewalt aufrecht zu erhalten ist. Die weltweite wirtschaftliche Vorherrschaft wird mit militärischer Macht angestrebt und durch ein vorangehendes Säuseln mit Engelszungen, welches die Lügen von der Pax Americana verbreitet und Demokratie und Menschenwürde verspricht.
Wie aus der Abhandlung zu ersehen ist, gehört ein solches Streben der Vergangenheit an und ist zum Scheitern verurteilt – es ist einzig zu hoffen, dass dieses Scheitern die verheerenden Blutspuren des vergangenen Jahrhunderts nicht weiter zieht und nicht weitere Hunderttausende und Millionen von unschuldigen Menschenopfern zur Folge hat.
Die angestrebte Multipolarität der BRICS-Staaten kann nur zum Fortschritt der Menschheit führten und zu einem friedlichen Zusammenleben eigenständiger Völker, wenn die hier dargelegten Funktionen in der Ökonomie erkannt und verwirklicht werden.

Fritz Frey, Basel, 27. Juli 2015

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Friedrich Schiller ‒ oder der Mord, den fast niemand sehen will

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Herzog Karl August: Fürst, Kriegsherr und Mörder? Bild: Urs Bigler

„Schaut mal genau hin!“ Einen Spruch dieser Art haben sich wohl 1000 Weimarer am Ende des Zweiten Weltkrieges anhören müssen, als ihnen befohlen wurde, durch das Konzentrationslager Buchenwald zu gehen. Die Alliierten hatten es für nötig befunden, diese Menschen, die jahrelang weggeschaut hatten, zum Hinschauen zu zwingen. Es ist allerdings nicht so, dass das Nicht-hinschauen-Wollen ein gesellschaftliches Phänomen des Thüringer Städtchens ist ‒ überall auf der Welt, zu jeder Zeit ist es zu beobachten. Vergehen und Verbrechen geschehen immer wieder, von denen unbeteiligte Menschen angestrengt wegschauen. Sei es beispielsweise bis weit in die fünfziger Jahre in der Schweiz, als man Kinder von verarmten Familien oder aus Waisenhäusern als Arbeitssklaven bei Bauern unterbrachte, sei es in den 50er, 60er und 70er Jahren des 20 Jh., als man Übergriffe von Angehörigen kirchlicher Einrichtungen gar nicht erst thematisierte oder sei es im 19 Jh., als arme Tessiner Familien ihre Kinder als Spazzacamini für den Einsatz in den russigen Mailänder Kaminen verkauften oder sei es … die Liste von verbrecherischem Handeln, von dem unbeteiligte Menschen wegschauen, könnte wohl Seiten füllen.

Ein Verbrechen jährt sich zum 210. Mal

Ganz in der Tradition dieses Vogel-Strauß-Gebarens steht ein Ereignis, das sich zu Beginn des 19. Jh. ‒ Zufall oder nicht ‒ im Thüringer Städtchen Weimar zutrug und bis heute nicht wirklich an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Im kommenden Wonnemonat, nämlich am 9. Mai, jährt sich zum 210. Mal ein Verbrechen, das bislang ungesühnt ist und wohl als der perfekte Mord bezeichnet werden muss. Der Mord an Friedrich Schiller.

Der Täter ist Freimaurer – aber kein lupenreiner

Und weil ich nach längerer Recherchearbeit weiß, dass eine solche Behauptung sogleich einen Abwehrreflex auslöst, quasi den Hals versteift und das Blickfeld auf ein Minimum einengt, sei gerade angemerkt: Ich gehöre nicht dem braunen Lager an, das den Mord des Dichters politisch instrumentalisieren will und den Dichter als Opfer freimaurerisch-jüdischer Verschwörung hinstellt. Zwar hat auch dieses Lager nicht ganz Unrecht, denn tatsächlich hat sich ein Freimaurer die Hände schmutzig gemacht, aber dieser Freimaurer darf nicht als lupenreiner Jünger der Bewegung gesehen werden. Er funktionierte vielmehr als deren Störfaktor: Seine Mitgliedschaft war ein geschickter Schachzug, der es ihm erlaubte, die Machenschaften eines politischen Gegners zu überwachen und die Informationen über keimende Verschwörungen aus erster Hand zu haben. Und er ließ Schiller nicht aus politischen Gründen ermorden, sondern handelte aus tiefer, persönlicher Kränkung ‒ die Rede ist von einem weltbekannten Mann der Weimarer Klassik, dem Freimaurer-Herzog Karl August von Weimar.

Armin Risi und die Zeugenaussage von Goethe

Es war die Publikation von Armin Risi im Internet, die mich zum genaueren Hinschauen veranlasste. Der Autor befasst sich mit einer Stelle in Faust II, die mit den Kranichen des Ibykus überschrieben ist und eindeutig auf eine Ballade von Schiller (in der übrigens ein Dichter getötet wird) verweist. In dieser Stelle findet sich eine Anagrammbotschaft, die Armin Risi entschlüsselt. Goethe belastet mit ihr den Herzog schwer und bezichtigt ihn gar des Mordes am Dichterfreund Schiller.

Eine Lüge, die auch noch heute nachgeplappert wird

Wenn Menschen nicht genau hinschauen, so tun sie dies oft, weil das Gegenteil gefährlich sein könnte. Und das war in Weimar des Jahres 1805 gewiss der Fall. Wenn der Fürst in einem absolutistischen Staat mordete, gab es keine weitere weltliche Instanz, die ihn verurteilen konnte. Schließlich war er nur Gott Rechenschaft schuldig. Das wussten die Zeitgenossen, und darum erblindeten sie partiell. Doch dem nicht genug. Erschwerend für Wahrheitsfinder erwies sich, dass allseits Nebelpetarden geworfen wurden. Eine der kräftigsten war wohl eine Behauptung im Zusammenhang mit Schillers Begräbnis, das in aller Stille um Mitternacht stattfand (man lese und staune: Friedrich Schiller, der damals wohl berühmteste Bühnendichter, gefeiert und geschätzt auch am mächtigen Zarenhof in Russland, wurde zur Geisterstunde begraben ‒ wie ein Pestkranker bzw. ein Schwerverbrecher!).
Der europaweiten Empörung musste in der Folge etwas entgegengehalten werden: Man behauptete, in Weimar seien Nachtbegräbnisse gang und gäbe, darum könne man an Schillers Beisetzung nichts bemängeln und alles sei in traditioneller Butter. Diese Lüge wird frisch und munter auch heute noch in Fachkreisen nachgeplappert. Als ich im Winter in Weimar zu Recherchezwecken weilte, wurde mir nicht nur einmal in völliger Gutgläubigkeit von Schiller-Kundigen diese Version aufgetischt. Ich neige dazu, ihr nicht zu glauben, sondern den Recherchearbeiten von Henning Fikentscher zu vertrauen, einem Mediziner, der genau hingeschaut hat. Nach aufwändiger Archivarbeit kommt er zum Schluss, dass es im Zeitraum von 1803 bis 1822 fünf wirkliche Nachtbeerdigungen und 4310 Tagbeisetzungen gegeben hat. Kurz: bei einem Verhältnis von 1: 862 kann kaum von einer Tradition gesprochen werden ‒ oder man hat einen reichlich verqueren Traditionsbegriff.

IMG_4078Das Andenken an das Pestbegräbnis ist in Stein gehauen. Bild: Urs Bigler

Die Prinzessin von Zelle ‒ ein Fragment, das wohl wichtiger ist, als es scheint

Wie ein Staatsanwalt, der in einem Indizienprozess gegen einen Mörder die Anklage führt, bin ich überzeugt, dass Herzog Karl August Schillers Mörder ist. Vieles deutet darauf hin, einige Hinweise sind sehr gewichtig, so zum Beispiel die erwähnte Anagrammbotschaft von Johann Wolfgang Goethe und das wissenschaftlich unhaltbare Sektionsprotokoll von Dr. Huschke, das auch heute noch völlig unreflektiert in der Sekundärliteratur von Schiller-Experten als Beweis für den körperlichen Zerfall des Dichters herumgereicht wird.
Wer an dieser Stelle neugierig geworden ist, kann die ganze „Anklageschrift“ mit sämtlichen Fußnoten und Quellenangaben studieren. In Der Fall Schiller – Anklage Mord sind alle Argumente für einen Mord zusammengetragen und wird ausführlich Karl Augusts Mordmotiv entwickelt. Das Buch erscheint beim Informationslücke-Verlag (Basel) und ist demnächst im Handel erhältlich. Starkes Gewicht erhält in den Untersuchungen ein unscheinbares Detail: das Fragment mit dem Titel Die Prinzessin von Zelle. Dieses soll am Todestag auf Schillers Schreibtisch gelegen haben. Es ist unter anderem ein Schlüssel zum Verständnis für den Mord an Schiller. Denn der Dichter erlaubte sich vermutlich einen gesellschaftlichen Fauxpas, worauf dem Herzog der Kragen platzte. Eine DNA-Analyse könnte Klarheit schaffen und die Mord-These auf ein naturwissenschaftliches Fundament stellen ‒ oder auch falsifizieren. Träfe Ersteres zu, müssten jede Literaturliebhaberin und jeder Literaturliebhaber anders auf die Ereignisse in Weimar blicken. Ohne starren Hals, mit Verständnis für eine turbulente Zeit mit brüchig gewordenen gesellschaftlichen Schranken. Heute zumindest sind keine Konsequenzen für ein genaues Hinschauen zu fürchten, der Herzog ist tot.

Urs Bigler

Schiller_Büchlein

(ISBN 9 78-3-906240-23-7)

Ein Rezept aus der Hetzküche der Natopresse

Jeden Tag lässt sich verfolgen, wie die Handlanger in den natohörigen Redaktionen der Leitmedien antirussische Stimmungsmache betreiben. Hier ein aktuelles Beispiel aus der Tages-Anzeiger-Küche (der Tagi ist die auflagenstärkste Zeitung der Deutschschweiz und hat am 11. März dieses Jahres eine Allianz mit sechs anderen europäischen Zeitung gefeiert, darunter mit Der Welt aus dem Hause des Springer-Verlags. Wie letzterer mit dem transatlantischen Lobby-Netzwerk verflochten ist, kann in Gekaufte Journalisten von Udo Ulfkotte nachgelesen werden).

Schritt 1: Man bausche auf

Gross titelt das Meinungsblatt in der Wochenendausgabe vom 21. März 2015 auf Seite 21: Protest vor dem Opernhaus gegen Opern-Diva Netrebko, was natürlich auf einen personenstarken Aufmarsch schliessen lässt. Schon bald aber erfahren der Leser bzw. die Leserin, dass lediglich sechs Mitglieder der Gesellschaft Schweiz Ukraine Flugblätter verteilen und sich anstrengen, die Operngäste in ein Gespräch zu verwickeln.

Schitt 2: Drücke auf die Tränendrüse

Ganz im boulevardesken Stil, d.h. mit dem Bemühen, die Story zu personalisieren und auf die Tränendrüse zu drücken, wird der Eintopf der Russlandhetze mit dem persönlichen Hintergrund des protestierenden Sasha Volkow angerührt. Er kommt in besagtem Artikel mit der Bemerkung zu Wort: „Ich bin in Slowjansk aufgewachsen und dort ist heute Krieg, meine Freunde und Verwandte mussten fliehen“. Dieses Grundgewürz ist insofern von Bedeutung, als es ganz dem Prinzip des psychologischen Solidariseriungszwangs verpflichtet ist und für das Opfer einer Aggression vereinnahmen soll. Doch es ist nicht das alleinige Gewürz des Hetze-Eintopfs, mehrere folgen sogleich. Man würze und salze, rühre und schwinge.

Schritt 3: Ziehe alle populistischen Register

Eine weitere Zugabe wäre die Moralinsülze in der Bemerkung des protestierenden Volkow, der die Opernbesucher darauf hinweist, dass mit wertvollen Steuergeldern eine Putin-Verehrerin bezahlt werde. Damit das Gulasch nun noch ein bisschen pfiffiger wird, mische man ein bisschen Reportagencurry darunter: Die meisten Besucher hören aufmerksam zu und antworten meistens das Gleiche: „Wir können doch jetzt nicht die Tickets weitergeben!“ Eine elegante Dame sagt: „Sie singt so wunderschön“ – und flüstert Volkow vertraulich ins Ohr: „Aber ist wohl nicht die Gescheiteste“.

Auf heisser Flamme wird alsdann der Hetze-Eintopf aufgekocht, auch eine rechte Prise Anschwärzpfeffer soll dabei nicht fehlen. Eine andere Demonstrantin des kleinen Grüppchens darf sie in die Brühe werfen: „Ich verstehe Anna Netrebko nicht“, sagt sie, „diese Frau kritisiert die westlichen Werte und äussert sich immer schwulenfeindlich, lässt sich aber in Österreich einbürgern und verdient hier und in den USA sehr viel Geld.“

Schritt 4: Zitiere Verunglimpfer und wasche die Hände in journalistischer Unschuld

Steigt aus dem Topf richtig der Dampf auf, ist eine Diffamierungs-Chilischote fällig. Diese lässt Simon Gerber, ein weiterer Demonstrant, in den Sud plumpsen: Er vergleicht Anna Netrebko mit Leni Riefenstahl, die sich gerne an die Seite eines starken Führers gestellt habe. So wird ganz subtil, ohne juristisch Konsequenzen heraufzubeschwören, Putin mit Hitler gleichgesetzt. Nun riecht das ganze Gebräu nach dickem Senf. Die Journalisten präsentieren das Gulasch der Redaktion und die jubelt, schliesslich dient es blendend ihrer Sache – der indirekten Kriegshetze eben.

Solcher Kochkunst den Stinkefinger zu zeigen oder sie zu ignorieren wäre ein Weg – ich ziehe es vor, das Resultat auf seinen Giftgehalt zu prüfen. Und wäre dieser nicht so bedenklich, könnte man darüber lachen.

Urs Bigler

Im Bann des Bösen

Weisheit lässt sich schwer definieren – es ist dies ein Begriff, der sich schnell einer gedanklichen Schlinge entzieht. Vielleicht lässt sich aber sagen, dass ein Mensch unter anderem dann als weise gelten darf, wenn er ein Bewusstsein für destruktive Kräfte entwickelt, mit ihnen umzugehen erlernt und weder sich selbst noch andere darunter leiden lässt. Dass die Auseinandersetzung mit menschlicher Destruktivität höchst heikel ist, Einzelne (z.B. De Sade, Nietzsche) und mitunter auch Gruppen oder gar ganze Völker (destruktive Tendenzen ausgehend von Eliten wie den Nazis oder dem Ostküsten-Establishment der USA) ins Elend und Verderben führt, darüber schreibt Fritz Frey im folgenden Essay.

Es scheint, dass de Sade seinerzeit das Tor zur Unterwelt, wenn im Sinn der Antike gesprochen werden soll, weit geöffnet hat. Er tut dies aber nicht in mythologischen Bildern, indem er von Hades (röm. Pluto) schreibt, sondern in der Sprache der Aufklärung. Dadurch hebt er Bilder, die im Grunde in unserem kollektiven Unterbewussten leben, ins Bewusstsein, und sie werden aus der Surrealität durch das „Anuskript“ (1) , Sodomie und Peitsche, die 120 Tage von Sodom zur Idee des Bösen (2). Somit ist es nicht mehr das „Objekt unserer Lust und Begierde“ (3) , sondern das Böse an sich, das den Menschen auf dem von de Sade vorgezeichneten Weg erregt. Es ist der Verlust des Eros, des Morgenrots des Schönen, der zum völligen Ich-Verlust führt. Es ist effektiv der Weg der schwarzen Magie, der Weg in die Welt des Untersinnlichen oder eben des Hades/Pluto, den man in seiner Entwicklung erkennen kann. Wie weit er diesen Weg bewusst verfolgte, ist schwer zu sagen. Jedenfalls waren Praktiken, die weit über das Treiben des S/M hinausgehen, schon zur Zeit von Babylon, Rom usw. und natürlich vor allem in den mexikanischen schwarzmagischen Mysterien bekannt, wurden aber im Versteckten als Dienst an den Göttern der Unterwelt vollzogen. Dass diese untersinnlichen Kräfte real sind, zeigt sich auch daran, dass heute Bilder von Unterwerfung und der Inszenierung von Gewalt mit drei, vier Mausklicken im Internet „bewundert“ werden können. Wenn nun ein Ich-schwacher Mensch da rein gerät, wird das natürlich zur Sucht. Realer kann die Wirkung nicht sein. Da kann der freudomarxistisch orientierte Deleuze noch lange sagen, dass der Gang zur Domina die Couch beim Psychoanalytiker erspare (4). Das Ich wird dadurch nicht stärker.

Der Umgang mit destruktiven Kräften

Gibt es für den Menschen überhaupt eine Berechtigung in die Welt dieser Kräfte einzudringen? Wohl schon, da die Ich-Bewusstwerdung des menschlichen Ich darüber Bescheid wissen muss, was der Destruktion (im individuellen und im kollektiven Sein: Psychose, Gewalt, Krieg) zu Grunde liegt. Nur – wie kann in diese Welt so eingedrungen werden, dass kein Ich-Verlust durch Triebüberflutung stattfindet? Dass der Mensch keinen Schaden nimmt, wie de Sade Schaden nahm oder wie Nietzsche sich in der Welt der völligen Umnachtung verlor?

Nietzsche hat mit seinem Dionysos eine herabgemilderte Form dieses psychischen Geschehens durchlebt und sein Ich-Bewusstsein hat sich darin verloren (5). Dennoch war er auf der richtigen Spur. Er hat geahnt (und diese Ahnung verdrängt), dass das Ich beim Eindringen in die Welten des Untersinnlichen (Verlust der Welt des Sinnlichen, des Eros und Einzug in die Welt der Destruktionskräfte, des Todes bzw. Thanatos) in der Welt des Übersinnlichen eine charakterliche Entwicklung zum Guten, Wahren und Schönen durchmachen muss, in der es den Halt findet, die Destruktionskräfte auszuhalten. Es nimmt diese wahr, hält die Denktätigkeit in einer Distanz zu ihnen und erkennt die Aufgabe der Destruktions- oder Todeskräfte in der Evolution, ohne ihnen zu verfallen. So gilt diesbezüglich die von Nietzsche in seiner Verzweiflung (6) erahnte, verdrängte und dadurch nicht verwirklichte Tatsache, die später von Steiner, einem christlichen Eingeweihten, ausformuliert wurde: Wenn du in der Erkenntnis einen Schritt voran tun willst, dann ist es unumgänglich, dass in der Entwicklung des Charakters zum Guten drei Schritte getan werden (7). In dieser Art kann sich das menschliche Ich die Freiheit erringen. Hätte Nietzsche dies nicht nur erahnt und verdrängt, sondern voll bewusst erkannt, er wäre nicht in einer Psychose versunken. Durch eine derartige innere Erkräftigung kann sich das Ich zwischen den Idealen der Kräfte des Guten, Schönen und Wahren (den Kräften des Aufbaus und des Lebens) und den Idealen der Kräfte des Abbaus (Gewalt, Zerstörung, Tod), die beide für die Evolution von unabdingbarer Notwendigkeit sind, frei bewegen und schöpferisch seinen individuellen Weg in der Selbst- und Weltgestaltung finden.
Dabei ist zu erkennen, dass das Ich als die reale und wirklichkeitgestaltende Kraft unserer eigenständigen Denkaktivität zu verstehen und zu erleben ist. Darin gehen die Gefühle für die Wirklichkeit des schönen Scheins im Sinnlichen (Eros) und der Freude am Dasein keineswegs verloren, sondern sie erfreuen sich einer gesteigerten Intensität und inneren Wahrheit, weil sie sich weder an das Übersinnliche noch an das Untersinnliche verlieren, sondern die jeweiligen Wirkbereiche erkennen. Bereiche, die, will sich das Ich wirklich seiner selbst bewusst und damit frei werden, erkannt werden und als reale Wirklichkeiten erlebt werden müssen.

Die Huldigung des Bösen durch Eliten

So gibt es z.B. zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Strömungen in dieser Richtung, die an die Öffentlichkeit drängen und das ganze kulturelle und politische Leben des 20. Jahrhunderts prägen. Der Beginn von deren Wirksamkeit ist zeitlich ziemlich genau einzuordnen (ca. 1904). Aleister Crowley als Eingeweihter in die Kräfte des Untersinnlichen, der bewusst schwarzmagische Praktiken pflegte und verbreitete, ist der Impulsgeber von Initiativen auf jeder gesellschaftlichen Ebene, die dann von der linken Freimaurerei, u.a. dem schottischen Ritus der Freimaurerei, aufgenommen wurden und vor allem in England und in Nordamerika in stärkster Weise Politik und Wissenschaft durchdrangen (8). Die ganzen Think-Tanks des Angloamerikanismus sind von dieser Haltung geprägt, ohne dass die Menschen davon etwas ahnen. Es werden auch schwarzmagische Kulte in diesem Sinne durchgeführt (9) , an denen z.B. die Angehörigen der Bush-Familie und andere die Ostküsten-Elite prägenden Familien großen Anteil haben.
Jetzt schaue man sich die Welt an und beurteile selber: Woher kommen die Zerstörungskräfte, mit denen die ganze Welt überzogen wird?

Divide et impera und die Vernichtung des Ichs

Kehren wir zu den Ursprüngen des Nationalsozialismus zurück, erkennen wir, dass in den okkulten Praktiken der Nazis genau solche Dinge gepflegt wurden, wie wir sie bei de Sade finden. Daraus kann Energie geholt werden und durch den Ich-Verlust wird der Mensch schlimmer als jedes Tier. Die SS-Totenkopf-Brigaden sind Ergebnis solcher schwarzmagischer Praktiken. Ohne die Unterstützung durch die angloamerikanische Hochfinanz hätte es nie einen Nationalsozialismus gegeben. Als Antagonisten haben diese Eliten auch bewusst den International-Sozialismus aufgebaut, der in der Sowjet-Union nebst dem ersten Kopf des Nazitums den zweiten Kopf des Bösen bildete (10). Die Zerstörungskraft, welche die Vernichtung des menschlichen Ichs zum Ziele hat, die als dritte Kraft des Bösen die zwei Köpfe des Drachen des Bösen in Mittel-Europa sich gegenseitig einschlagen ließ, sitzt in der Ostküsten-Elite der USA, von wo aus die Zerstörungskräfte der Welt ziemlich raffiniert gesteuert werden (11). Man betrachte die Entwicklung in der Ukraine. Da zeichnet sich eine Blaupause des Geschehens vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg ab. Vor allem wir Mitteleuropäer hätten die Möglichkeit, uns dessen bewusst zu werden. Zunächst gilt es aber zu erkennen, wie Destruktionskräfte wirken, wie sie Mitteleuropa und dessen positive Kraft der Ich-Entwicklung (für die Schiller, Goethe, Novalis, Fichte, Hegel, Schelling und bis zu einem gewissen Grade Nietzsche und als letzter Rufer auch Steiner stehen) zu lähmen, ja gar moralisch und intellektuell durch die Kräfte des Untersinnlichen zu zerstören versuchen. Dabei zielen sie darauf ab, dem Menschen den Zugang zum Übersinnlichen zu verbauen. Die ganze Raffinesse der Entwicklung der Denkarten im 20. Jahrhundert: Think-Tanks, die kollektive Verirrung und Verwirrung stiften, haben in diesen Absichten ihren Ursprung.

Der Mensch ist mehr als ein Biocomputer

Steiner war eine Zeitlang Mitglied der Freimaurer (12). Er hat es bis zum höchsten, dem 33. Grad gebracht. Er hat das Heraufkommen des Nazitums beobachtet  (später wurde seine Bewegung von den Nazis zum Systemfeind erklärt) (13) – sich durch seinen Rückhalt im Übersinnlichen aber nicht an das Untersinnliche verloren und aus diesem Wissen heraus sein Anliegen an die Menschheit weiterzugeben versucht. Seine im wahren mitteleuropäischen Gedankengut wurzelnden Bestrebungen dienen der Unabhängigkeit und Freiheit des menschlichen Denkens. Sie dienen dem Erhalt der Freiheit und Kräftigung des Ichs. Dieses kann, wie eingangs erwähnt, den Weg der Bewusstwerdung zwischen Lebens- und Todeskräften gehen, wenn es sich selber als urmenschliche Kraft schult und nicht als zufälliges Ergebnis neurologischer Funktionen eines menschlichen Biocomputers versteht, der sich programmieren und manipulieren lässt. Dieses ICH bin ich in Wirklichkeit selber, mein Leib und, was ich mit ihm gestalte, sind Bild meines eigenen ICHs: Dazu gehören jede Handlung, jedes Fingerkrümmen. Der Charakter der Freiheit aber ist, dass man zu nichts gezwungen wird. Auch nicht zum Guten, zum Wahren und zum Schönen.

Fritz Frey

Quellen:

(1) Zweifel, Stefan. BaZ-Kultur, 15. Nov. 2014. S. 25.
(2) Reinhardt, Volker. De Sade oder die Vermessung des Bösen. München 2014. S. 442
(3) De Sade. 120 Tage von Sodom.
(4) Deleuze, Gilles. Sacher-Masoch und der Masochismus. In: Sacher-Masoch, Venus im Pelz. Mit einer Studie über den Masochismus von Gilles Deleuze. Frankfurt am Main: 5. Auflage 1991. S. 163 – 281.
(5) Meyer, Andreas. Nietzsche und Dionysos. In Vorbereitung. Basel 2015. S. 76 ff.
(6) Meyer, Andreas. Nietzsche und Dionysos. In Vorbereitung. Basel 2015. S. 111 ff.
(7) Steiner, Rudolf. Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten. Dornach 1992. S. 67.
(8) Symonds, John: Aleister Crowley. Das Tier 666. München 1996, ISBN 3-89631-153-0, S. 249–250
(9) Winnicki, Adam. Das US-Ostküstenestablishment und sein Wirken im Schatten des CFR hinsichtlich der Globalisierung – Organisation, Mitglieder, Verflechtungen und Ziele einer Machtelite. München 2004. S. 61 ff.
(10) Riemeck, Renate. Mitteleuropa. Bilanz eines Jahrhunderts. Potsdam, 1990. S. 10 ff.
(11) Bracher, Andreas. Schädel und Knochen an der Wallstreet. In: Der Europäer. Juni 1999, Jahrgang 3. Nr. 8. S. 9-14.
(12) Zander, Helmut. Anthroposophie in Deutschland, Band 2. Göttingen 2007. S. 981 ff.
(13) S. Wagner, Arst. Dokumente und Briefe zur Zeitgeschichte der Anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Rendsburg 1992/93. Band I. S. 95

Buchtipp: „Wir sind die Guten“ von Mathias Bröckers und Paul Schreyer

Wer mitreden will, macht sich schlau in den Leitmedien. Dieser Grundsatz schrieb sich einst jeder Bildungsbürger auf die Krawatte – heute allerdings scheint dieses Gütezeichen zu wuchern, ja gar zum Brett vor dem Kopf zu werden. In diesem Zusammenhang hält der österreichische Konfliktforscher Dr. Kurt Gritsch fest:

Lesen Sie gerne Zeitung? Und wenn ja, gehören auch Sie zu jenen, die bürgerlichen Qualitätsblättern wie „FAZ“, „NZZ“, „Süddeutscher Zeitung“ oder „Die Zeit“ die Stange halten? Ich bekenne: Ich gehöre nicht dazu. Nicht mehr, seit ich über viele Jahre feststellen musste, dass die publizistische Vorbereitung von Krieg dort Methode hat. Starker Tobak, meinen Sie?
(Link: http://derstandard.at/1331207267450/Kurt-Gritsch-Gut-inszeniert-die-Mainstream-Meinung)

Wer mit der Berichterstattung der Leitmedien hadert, der findet in Mathias Bröckers und Paul Schreyers Spiegel-Besteller „Wir sind die Guten“ knackige Frischkost als Alternative zum Einheitsbrei aus offensichtlich lobbygedüngter westlicher Pressekultur. Dabei erhärtet sich der Verdacht, dass der Leserschwund maßgeblicher Tageszeitungen noch andere Gründe hat als die Konkurrenz durch das Internet, unter anderen im Umstand, dass Tageszeitungen mehr und mehr zu PR-Sprachrohren von Lobbynetzwerken verkommen und die Journalisten ihr Handwerk nicht mehr richtig ausüben dürfen. Mehr dazu auf der Seite „Lektüretipp Sachbuch“.

Das Europa der Zukunft

Am Freitag, dem 26. September, veranstaltete der IL-Verlag eine Podiumsdiskussion anlässlich einer Buchvernissage. Namhafte Politiker, ein Journalist und der Autor von „Ein Europa der Regionen – Was die Schweiz kann, kann auch Europa“ diskutierten unter der Leitung von Linda Muscheidt Themen, die für jeden Bürger und für jede Bürgerin in Europa von Bedeutung sind. Mehr dazu lesen Sie auf der Seite „Veranstaltungen“.

Gastspiel

Ein zuverlässiger Indikator zivilisatorischer Entwicklung ist wohl die Streitkultur – wo Weltanschauungen mit Worten und nicht mit Keulen vertreten werden, darf gewiss von einer höheren Stufe der Zivilisation gesprochen werden. Ganz in diesem Geist präsentieren wir hier auf der Seite der bloggruppe14 von Zeit zu Zeit das Gastspiel von zwei Denkern – Peter Werder und Simon Jacoby–, die ihre journalistische Plattform bei www.dieperspektive.ch haben und sich dort gelegentlich frisch und frei einen verbalen Schlagabtausch liefern.

Im Streitgespräch über Smartphones, Fair-Trade-Kleider und sonstige Dinge, die nerven.

13:54
Simon Jacoby
Lieber Herr Werder, was machen Sie, wenn Sie etwas stört?

13:55
Peter Werder
Ich überlege mir, ob ich es ändern kann oder will. Wenn ja, tue ich es. Wenn es mich stört und ich kann oder will es nicht ändern, dann suche ich einen Weg, damit umzugehen. Die Unterscheidung zwischen Verändern und Akzeptieren ist für mich zentral. Wieso fragen Sie?

14:07
Simon Jacoby
Weil ich immer wieder – auch bei mir – feststellen muss, dass es bei vielem gar nicht so einfach ist, es zu verändern. Beispiel Smartphone: Ich will zwar ein iPhone, aber bin mit den Arbeitsbedingungen bei der Herstellung nicht einverstanden.

14:18
Peter Werder
Dann bleibt Ihnen die Entscheidung, die Arbeitsbedingungen zu akzeptieren (oder zu ignorieren), oder auf das Smartphone zu verzichten. Hier überlege ich: Wie viel bringt es, wenn ich verzichte, und wie gross ist mein Aufwand für den Verzicht. Verändern würde ich wohl mit einem Verzicht nichts, aber es würde mich einschränken. Also kaufe ich das Smartphone.

14:19
Simon Jacoby
Das ist ja eben der Punkt! Sicher macht es einen Unterschied, ob Sie und ich den Pulli von Switcher oder von H&M kaufen. Da wo es faire Alternativen gibt, können wir auch etwas ändern.

14:21
Peter Werder
Der Unterschied ist reine Psychohygiene, so lange sie damit keine flankierenden Massnahmen ergreifen. Da spende ich lieber 100 Franken direkt in ein Projekt, als dass ich Pullis nicht mehr nach Ästhetik kaufe.

14:24
Simon Jacoby
O.K., dann stört es Sie aber nicht genug, dass ein fünfjähriges Mädchen Ihren Pulli genäht hat. Für wenige Rappen Lohn.
Was natürlich schon stimmt und ich gar nicht verstehen kann: Warum müssen viele der Fairtrade-Sachen so komisch aussehen?

14:29
Peter Werder
Es stört mich, wenn ein fünfjähriges Mädchen meinen Pulli nähen muss. Da bin ich nicht der Einzige. Deswegen kümmern sich – das weiss ich ganz direkt – die Importeure darum, das Problem zu lösen. Aber nicht einfach, indem alle Kinder entlassen oder diese Fabriken geschlossen werden, sondern indem man dieses System langsam und strategisch überführt.

14:31
Simon Jacoby
Jaja, das glauben Sie ja selber nicht. Mit dieser Aussage verhöhnen Sie alle, die unter diesem System leiden.
Aber es gibt ja noch andere Dinge, die Sie stören könnten. Massentierhaltung, Umweltverschmutzung und so weiter. Weil Eigenverantwortung bei diesen Themen oft nicht funktioniert, bin ich eher für Gesetze, die das Schlimmste regeln sollen.

14:37
Peter Werder
Nein, ich verhöhne sie nicht. Aber ich finde es verantwortungslos, Kinderarbeit einfach zu verbieten und – die Fabriken zu schliessen. Das tut man nur aus dem politischen Druck heraus, weil die Daueraufgeregten auf Ihrer Seite mit dem grossen moralischen Zeigefinger durch die Gegend rennen. Sie leiden an einem Priapismus des Zeigefingers, ohne die Sache zu verstehen. Es braucht den Druck des Marktes, damit die Herstellung solcher Produkte besser verläuft. Und für eine solche Umstellung braucht es etwas Zeit.

14:41
Simon Jacoby
Der Markt wird keinen Druck aufbauen, weil wir westlichen Konsumenten immer nur nach dem tiefsten Preis greifen. Damit sind wir zurück bei der anderen Frage: Funktioniert bei Ihnen Eigenverantwortung? Oder haben Sie noch andere Mankos, wo Sie etwas tun, obwohl es Sie stört?

14:43
Peter Werder
Moment. Das ist genau die linke emotionale Art, sich in sachlicher Problemlösung zu versuchen. Analysieren Sie die Situation der Kinderarbeit, verstehen Sie, was damit zusammenhängt, und versuchen Sie dann, das Problem zu lösen. Ich weiss aus meinem direkten Umfeld im Bereich des Textilhandels, dass das Problem schon lange erkannt wurde und dass man die Situation laufend verbessert. Der Druck des Marktes (zum Beispiel über einen Social-Media-Shitstorm) ist gross. Es braucht die mit dem schlechten Gewissen aus Ihren Reihen nicht. Und auch Sie kaufen nach dem Preis ein, seien Sie nicht naiv.

14:43
Peter Werder
Und, um Ihre Frage zu beantworten: Ja, ich handle – wie anfangs erklärt – nicht immer, wo mich etwas stört.

14:45
Simon Jacoby
Wo sehen Sie da die Ursachen? Wir sind in unserem Handeln unglaublich frei – privat, politisch und ökonomisch – trotzdem tun wir nicht immer, was unseren Präferenzen entspricht. Warum? Gibt es diese schreckliche Generation Maybe trotzdem?

14:52
Peter Werder
Nochmals: Wenn der Energieaufwand gross, der Impakt aber klein ist, entscheide ich mich, nichts zu tun. Das machen die meisten Menschen so. Das ist eine Form der Abgrenzung. Ethisch ist es, wenn man dieses Nicht-Handeln ergänzt mit einem Fokus des Handelns. Lieber fokussieren, als überall ein bisschen helfen ohne Impakt.

14:53
Simon Jacoby
Es ist doch eine Frage der Konsequenz und der Integrität: Wenn mich etwas stört, muss ich es ändern. Oder aber nichts tun und schweigen. Ich darf motzen, weil am 18. Mai der Mindestlohn begraben wurde, weil ich abgestimmt habe. Alle anderen sollten das nicht tun.

14:59
Peter Werder
Da bin ich ausnahmsweise einverstanden: Handeln oder schweigen. Und es tut mir leid, dass sie am 18. Mai keine gesetzlich verordnete Lohnerhöhung erhalten haben. Sie müssen sich offensichtlich weiterhin dem Markt stellen.

Simon Jacoby schreibt als Co-Chefredaktor, politisiert für die SP und Dr. Peter Werder ist bürgerlicher Politiker, Dozent an der Universität Zürich und leitet die Kommunikation eines Konzerns im Gesundheitswesen. Der Dialog erschien auf www.dieperspektive.ch und wurde uns zur Verfügung gestellt.