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Im Bann des Bösen

Weisheit lässt sich schwer definieren – es ist dies ein Begriff, der sich schnell einer gedanklichen Schlinge entzieht. Vielleicht lässt sich aber sagen, dass ein Mensch unter anderem dann als weise gelten darf, wenn er ein Bewusstsein für destruktive Kräfte entwickelt, mit ihnen umzugehen erlernt und weder sich selbst noch andere darunter leiden lässt. Dass die Auseinandersetzung mit menschlicher Destruktivität höchst heikel ist, Einzelne (z.B. De Sade, Nietzsche) und mitunter auch Gruppen oder gar ganze Völker (destruktive Tendenzen ausgehend von Eliten wie den Nazis oder dem Ostküsten-Establishment der USA) ins Elend und Verderben führt, darüber schreibt Fritz Frey im folgenden Essay.

Es scheint, dass de Sade seinerzeit das Tor zur Unterwelt, wenn im Sinn der Antike gesprochen werden soll, weit geöffnet hat. Er tut dies aber nicht in mythologischen Bildern, indem er von Hades (röm. Pluto) schreibt, sondern in der Sprache der Aufklärung. Dadurch hebt er Bilder, die im Grunde in unserem kollektiven Unterbewussten leben, ins Bewusstsein, und sie werden aus der Surrealität durch das „Anuskript“ (1) , Sodomie und Peitsche, die 120 Tage von Sodom zur Idee des Bösen (2). Somit ist es nicht mehr das „Objekt unserer Lust und Begierde“ (3) , sondern das Böse an sich, das den Menschen auf dem von de Sade vorgezeichneten Weg erregt. Es ist der Verlust des Eros, des Morgenrots des Schönen, der zum völligen Ich-Verlust führt. Es ist effektiv der Weg der schwarzen Magie, der Weg in die Welt des Untersinnlichen oder eben des Hades/Pluto, den man in seiner Entwicklung erkennen kann. Wie weit er diesen Weg bewusst verfolgte, ist schwer zu sagen. Jedenfalls waren Praktiken, die weit über das Treiben des S/M hinausgehen, schon zur Zeit von Babylon, Rom usw. und natürlich vor allem in den mexikanischen schwarzmagischen Mysterien bekannt, wurden aber im Versteckten als Dienst an den Göttern der Unterwelt vollzogen. Dass diese untersinnlichen Kräfte real sind, zeigt sich auch daran, dass heute Bilder von Unterwerfung und der Inszenierung von Gewalt mit drei, vier Mausklicken im Internet „bewundert“ werden können. Wenn nun ein Ich-schwacher Mensch da rein gerät, wird das natürlich zur Sucht. Realer kann die Wirkung nicht sein. Da kann der freudomarxistisch orientierte Deleuze noch lange sagen, dass der Gang zur Domina die Couch beim Psychoanalytiker erspare (4). Das Ich wird dadurch nicht stärker.

Der Umgang mit destruktiven Kräften

Gibt es für den Menschen überhaupt eine Berechtigung in die Welt dieser Kräfte einzudringen? Wohl schon, da die Ich-Bewusstwerdung des menschlichen Ich darüber Bescheid wissen muss, was der Destruktion (im individuellen und im kollektiven Sein: Psychose, Gewalt, Krieg) zu Grunde liegt. Nur – wie kann in diese Welt so eingedrungen werden, dass kein Ich-Verlust durch Triebüberflutung stattfindet? Dass der Mensch keinen Schaden nimmt, wie de Sade Schaden nahm oder wie Nietzsche sich in der Welt der völligen Umnachtung verlor?

Nietzsche hat mit seinem Dionysos eine herabgemilderte Form dieses psychischen Geschehens durchlebt und sein Ich-Bewusstsein hat sich darin verloren (5). Dennoch war er auf der richtigen Spur. Er hat geahnt (und diese Ahnung verdrängt), dass das Ich beim Eindringen in die Welten des Untersinnlichen (Verlust der Welt des Sinnlichen, des Eros und Einzug in die Welt der Destruktionskräfte, des Todes bzw. Thanatos) in der Welt des Übersinnlichen eine charakterliche Entwicklung zum Guten, Wahren und Schönen durchmachen muss, in der es den Halt findet, die Destruktionskräfte auszuhalten. Es nimmt diese wahr, hält die Denktätigkeit in einer Distanz zu ihnen und erkennt die Aufgabe der Destruktions- oder Todeskräfte in der Evolution, ohne ihnen zu verfallen. So gilt diesbezüglich die von Nietzsche in seiner Verzweiflung (6) erahnte, verdrängte und dadurch nicht verwirklichte Tatsache, die später von Steiner, einem christlichen Eingeweihten, ausformuliert wurde: Wenn du in der Erkenntnis einen Schritt voran tun willst, dann ist es unumgänglich, dass in der Entwicklung des Charakters zum Guten drei Schritte getan werden (7). In dieser Art kann sich das menschliche Ich die Freiheit erringen. Hätte Nietzsche dies nicht nur erahnt und verdrängt, sondern voll bewusst erkannt, er wäre nicht in einer Psychose versunken. Durch eine derartige innere Erkräftigung kann sich das Ich zwischen den Idealen der Kräfte des Guten, Schönen und Wahren (den Kräften des Aufbaus und des Lebens) und den Idealen der Kräfte des Abbaus (Gewalt, Zerstörung, Tod), die beide für die Evolution von unabdingbarer Notwendigkeit sind, frei bewegen und schöpferisch seinen individuellen Weg in der Selbst- und Weltgestaltung finden.
Dabei ist zu erkennen, dass das Ich als die reale und wirklichkeitgestaltende Kraft unserer eigenständigen Denkaktivität zu verstehen und zu erleben ist. Darin gehen die Gefühle für die Wirklichkeit des schönen Scheins im Sinnlichen (Eros) und der Freude am Dasein keineswegs verloren, sondern sie erfreuen sich einer gesteigerten Intensität und inneren Wahrheit, weil sie sich weder an das Übersinnliche noch an das Untersinnliche verlieren, sondern die jeweiligen Wirkbereiche erkennen. Bereiche, die, will sich das Ich wirklich seiner selbst bewusst und damit frei werden, erkannt werden und als reale Wirklichkeiten erlebt werden müssen.

Die Huldigung des Bösen durch Eliten

So gibt es z.B. zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Strömungen in dieser Richtung, die an die Öffentlichkeit drängen und das ganze kulturelle und politische Leben des 20. Jahrhunderts prägen. Der Beginn von deren Wirksamkeit ist zeitlich ziemlich genau einzuordnen (ca. 1904). Aleister Crowley als Eingeweihter in die Kräfte des Untersinnlichen, der bewusst schwarzmagische Praktiken pflegte und verbreitete, ist der Impulsgeber von Initiativen auf jeder gesellschaftlichen Ebene, die dann von der linken Freimaurerei, u.a. dem schottischen Ritus der Freimaurerei, aufgenommen wurden und vor allem in England und in Nordamerika in stärkster Weise Politik und Wissenschaft durchdrangen (8). Die ganzen Think-Tanks des Angloamerikanismus sind von dieser Haltung geprägt, ohne dass die Menschen davon etwas ahnen. Es werden auch schwarzmagische Kulte in diesem Sinne durchgeführt (9) , an denen z.B. die Angehörigen der Bush-Familie und andere die Ostküsten-Elite prägenden Familien großen Anteil haben.
Jetzt schaue man sich die Welt an und beurteile selber: Woher kommen die Zerstörungskräfte, mit denen die ganze Welt überzogen wird?

Divide et impera und die Vernichtung des Ichs

Kehren wir zu den Ursprüngen des Nationalsozialismus zurück, erkennen wir, dass in den okkulten Praktiken der Nazis genau solche Dinge gepflegt wurden, wie wir sie bei de Sade finden. Daraus kann Energie geholt werden und durch den Ich-Verlust wird der Mensch schlimmer als jedes Tier. Die SS-Totenkopf-Brigaden sind Ergebnis solcher schwarzmagischer Praktiken. Ohne die Unterstützung durch die angloamerikanische Hochfinanz hätte es nie einen Nationalsozialismus gegeben. Als Antagonisten haben diese Eliten auch bewusst den International-Sozialismus aufgebaut, der in der Sowjet-Union nebst dem ersten Kopf des Nazitums den zweiten Kopf des Bösen bildete (10). Die Zerstörungskraft, welche die Vernichtung des menschlichen Ichs zum Ziele hat, die als dritte Kraft des Bösen die zwei Köpfe des Drachen des Bösen in Mittel-Europa sich gegenseitig einschlagen ließ, sitzt in der Ostküsten-Elite der USA, von wo aus die Zerstörungskräfte der Welt ziemlich raffiniert gesteuert werden (11). Man betrachte die Entwicklung in der Ukraine. Da zeichnet sich eine Blaupause des Geschehens vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg ab. Vor allem wir Mitteleuropäer hätten die Möglichkeit, uns dessen bewusst zu werden. Zunächst gilt es aber zu erkennen, wie Destruktionskräfte wirken, wie sie Mitteleuropa und dessen positive Kraft der Ich-Entwicklung (für die Schiller, Goethe, Novalis, Fichte, Hegel, Schelling und bis zu einem gewissen Grade Nietzsche und als letzter Rufer auch Steiner stehen) zu lähmen, ja gar moralisch und intellektuell durch die Kräfte des Untersinnlichen zu zerstören versuchen. Dabei zielen sie darauf ab, dem Menschen den Zugang zum Übersinnlichen zu verbauen. Die ganze Raffinesse der Entwicklung der Denkarten im 20. Jahrhundert: Think-Tanks, die kollektive Verirrung und Verwirrung stiften, haben in diesen Absichten ihren Ursprung.

Der Mensch ist mehr als ein Biocomputer

Steiner war eine Zeitlang Mitglied der Freimaurer (12). Er hat es bis zum höchsten, dem 33. Grad gebracht. Er hat das Heraufkommen des Nazitums beobachtet  (später wurde seine Bewegung von den Nazis zum Systemfeind erklärt) (13) – sich durch seinen Rückhalt im Übersinnlichen aber nicht an das Untersinnliche verloren und aus diesem Wissen heraus sein Anliegen an die Menschheit weiterzugeben versucht. Seine im wahren mitteleuropäischen Gedankengut wurzelnden Bestrebungen dienen der Unabhängigkeit und Freiheit des menschlichen Denkens. Sie dienen dem Erhalt der Freiheit und Kräftigung des Ichs. Dieses kann, wie eingangs erwähnt, den Weg der Bewusstwerdung zwischen Lebens- und Todeskräften gehen, wenn es sich selber als urmenschliche Kraft schult und nicht als zufälliges Ergebnis neurologischer Funktionen eines menschlichen Biocomputers versteht, der sich programmieren und manipulieren lässt. Dieses ICH bin ich in Wirklichkeit selber, mein Leib und, was ich mit ihm gestalte, sind Bild meines eigenen ICHs: Dazu gehören jede Handlung, jedes Fingerkrümmen. Der Charakter der Freiheit aber ist, dass man zu nichts gezwungen wird. Auch nicht zum Guten, zum Wahren und zum Schönen.

Fritz Frey

Quellen:

(1) Zweifel, Stefan. BaZ-Kultur, 15. Nov. 2014. S. 25.
(2) Reinhardt, Volker. De Sade oder die Vermessung des Bösen. München 2014. S. 442
(3) De Sade. 120 Tage von Sodom.
(4) Deleuze, Gilles. Sacher-Masoch und der Masochismus. In: Sacher-Masoch, Venus im Pelz. Mit einer Studie über den Masochismus von Gilles Deleuze. Frankfurt am Main: 5. Auflage 1991. S. 163 – 281.
(5) Meyer, Andreas. Nietzsche und Dionysos. In Vorbereitung. Basel 2015. S. 76 ff.
(6) Meyer, Andreas. Nietzsche und Dionysos. In Vorbereitung. Basel 2015. S. 111 ff.
(7) Steiner, Rudolf. Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten. Dornach 1992. S. 67.
(8) Symonds, John: Aleister Crowley. Das Tier 666. München 1996, ISBN 3-89631-153-0, S. 249–250
(9) Winnicki, Adam. Das US-Ostküstenestablishment und sein Wirken im Schatten des CFR hinsichtlich der Globalisierung – Organisation, Mitglieder, Verflechtungen und Ziele einer Machtelite. München 2004. S. 61 ff.
(10) Riemeck, Renate. Mitteleuropa. Bilanz eines Jahrhunderts. Potsdam, 1990. S. 10 ff.
(11) Bracher, Andreas. Schädel und Knochen an der Wallstreet. In: Der Europäer. Juni 1999, Jahrgang 3. Nr. 8. S. 9-14.
(12) Zander, Helmut. Anthroposophie in Deutschland, Band 2. Göttingen 2007. S. 981 ff.
(13) S. Wagner, Arst. Dokumente und Briefe zur Zeitgeschichte der Anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Rendsburg 1992/93. Band I. S. 95

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