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Lektüretipp (Belletristik)

Gedichte, die glücklich machen. Ausgewählt von Clara Paul

Pressestimmen:

35997-1»Vielen Dank an wen auch immer: Die Dichter, die diese schönen Gedichte geschrieben haben; die Situationen, aus denen heraus sie entstanden, die Umstände, die sie ermöglichten – oder die sonderbaren Gehirne, die vielleicht nicht immer alltagstauglich waren, dafür aber wunderschöne kleine und große Kunstwerke hervorgebracht haben.«

(Bernd Giehl, Glarean Magazin)

 

 

 

 

Aus dem Inhalt:

Park Monceau (Kurt Tucholsky, 1890 – 1935)

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.
Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist.
Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.
Ein Vogel zupft an einen hellen Blatt.
Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nase
und freut sich, wenn er was gefunden hat.

Es prüfen vier Amerikanerinnen,
ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.
Paris von außen und Paris von innen:
sie sehen nichts und müssen alles sehn.

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.

Hier sind sie versammelt – die Gedichte, auf die man bereits nach dem ersten Lesen einfach nicht mehr verzichten möchte: Gedichte, deren Lebenslust und Fröhlichkeit sich unmittelbar auf einen übertragen, verspielte Liebeserklärungen an das Leben und die Welt; zärtliche, traurig-schöne Gedichte, die versonnen der Erinnerung an den unwiederbringlichen, magischen Augenblick hingegeben sind; beglückend-tröstliche Gedichte, die man vor sich hinflüstert, wenn man der Ermutigung bedarf; Gedichte, denen ein Zauber innewohnte, »der uns beschützt und der uns hilft zu leben«. Mit Gedichten von Ilse Aichinger, Rose Ausländer, Elisabeth Borchers, Bertolt Brecht, Robert Gernhardt, Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Mascha Kaléko, Erich Kästner, Angela Krauß, Christian Morgenstern, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Peter Rühmkorf, Eva Strittmatter u. v. a.

insel taschenbuch 4297, (10.3.2014), Broschur, 186 Seiten

ISBN: 978-3-458-35997-5

 


 

Stille Lügen – Petra Ivanov
ivanov
Im Grunde hat es ein Dürrenmatt schon gut gehabt – das Publikum hat ihm einen einfach gestrickten Polizei- und Fahndungsbetrieb dankbar abgekauft. Man nehme einen Kommissär, gebe ihm vielleicht noch einen Kollegen und am Rande ein Vorgesetzten oder einen Staatsanwalt dazu, und schon ist die Fahndungsmaschine komplett. Nun, die Zeiten haben sich geändert, ein Lesepublikum hat heute höhere Ansprüche. Diese zu befriedigen versteht Petra Ivanov in ihrem Krimi „Stille Lügen“. Zur Handlung: Regina Flint, Staatsanwältin, und Cavalli (havarierter Fahndungsleiter) befinden sich in Georgien auf Urlaubsreise und ermitteln in privater Sache. Sie suchen Isabelle Jenny, eine Schulkameradin von Regina, die plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Dabei geraten sie selbst in die Justizmühle und machen Bekanntschaft mit den traumatisierenden Haftbedingungen eines Schwellenlandes. Wieder zurück in der Schweiz, unterstützen sie nach Kräften die Ermittlungen, die im Zusammenhang mit der Verschwundenen und weiterer Todesfälle auf Hochtouren zu laufen beginnen.
Der Plot besticht durch hervorragende Detailkenntnisse des schweizerischen Justizsystems, dank deren eine authentische Kulisse entsteht. Auch versteht es die Autorin erstaunlich gut, traumatisierende Situationen und deren Folgen in Worte fassen. Dass die Staatsanwältin der Schriftstellerin als Charakter gelingt, ist weniger hervorzuheben, als der Umstand , dass ihr auch die Männerfigur des Kommissars (Cavalli) ganz flott von der Hand geht – es gehört wohl zum Schwierigsten des literarischen Handwerks überhaupt, überzeugende Figuren des anderen Geschlechts zu schaffen; einzig ein wichtiger Ermittler (Fahrni) wirkt ein bisschen sehr unterbelichtet und man hofft, dass solche Männer nicht wirklich bei der Polizei arbeiten. Alles in allem: ein guter Lesegenuss, ein Krimi, für den einen das Geld nicht reut. Note: 5.0 (Skala 1 – 6)

Unionsverlag, 2011

Urs Bigler

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