Das Männlein und das Keulen-Prinzip

Vermutlich hat ein dominierendes Gesellschaftsprinzip in den Höhlen der Steinzeit seinen Anfang: Es ist kalt, saukalt sogar, der Wind pfeift um alle Ecken, Männlein und Weiblein starren aus ihrem Felsenloch in die eisige Landschaft hinaus und zu allem Übel schleicht noch ein Säbelzahntiger draußen herum. Das Weiblein zittert also nicht nur vor Kälte, es zittert auch vor Angst.
Da ermannt sich das Männlein, greift nach einer riesigen Keule und haut sie dem Säbelzahntiger in die Schnauze, dass dieser dritte Säbelzähne bräuchte, wenn ihm denn nicht gerade das Fell über die Ohren gezogen und er über dem eilig entfachten Höhlenfeuer geröstet würde.
Darauf wird das Weiblein endlich wieder mal satt, und mit vollem Magen – und so neben dem Höhlenfeuer – kommt romantische Stimmung auf und gesteigerter Vermehrungsaktivität steht nichts mehr im Wege.

Starker Lerneffekt

Das Männlein lernt daraus Folgendes: Bist du stark, haust du einer Bedrohung die Zähne krumm, dann darfst du nachher sehr viel Spaß haben. In der Folge sterben die Säbelzahntiger aus. Und das Männlein hat dank seiner Keule viel Spaß und die Welt bevölkert sich.
Kein Wunder, dass sich das Keulen-Prinzip in den Köpfen der Nachkommen tief verankert. Nur: Die Welt wird allmählich komplexer, und das Keulen-Prinzip offenbart plötzlich die Tendenz, nicht mehr einwandfrei zu funktionieren. Schon vor der Industrialisierung – zu einer Zeit, da die Welt noch kaum technisiert ist ‒ muss man gelegentlich gewärtigen, dass dieses verlockende Handlungsmuster durchaus einen Rückkoppelungseffekt besitzt. So zum Beispiel im Nahen Osten des Mittelalters, wo der fatimidische Kalif al-Hakim zu Beginn des 11. Jh. seine Keule schwingt, die Grabeskirche in Jerusalem zerstört und damit der Region einige Kreuzzüge und einen mehr als 200 Jahr dauernden Unfrieden einbrockt.

So populär wie schon lange nicht mehr

Man könnte jetzt annehmen, dass Vernunft, Sprachkompetenz, Verhandlungsgeschick – durchaus Errungenschaften der Zivilisation – im Laufe der Geschichte zur entschiedenen Entsorgung des Keulen-Prinzips geführt hätten. Doch weit gefehlt. Auch nachdem ein Napoleon im 19. Jh. und ein Hitler im 20. Jh. das Keulen-Prinzip zuoberst auf den Altar ihrer Weltanschauung gehoben haben und damit katastrophal gescheitert sind, erfreut es sich heute noch höchster Beliebtheit. Ja, das Keulenschwingen ist zu Beginn des 21. Jh. so populär wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Das mag verschiedene Ursachen haben – moderne Machträger verdrängen es partout, dass sie eigentlich eine hochentwickelte Spezies repräsentieren, die im Grunde fähig zur Vernunft, Toleranz und Konsens wäre. Oder es mag auch daran liegen, dass Keulen immer raffinierter werden, das Geschäft mit ihnen wohl besser rentiert als alle Goldminen dieser Welt zusammen und die Produzenten allgegenwärtig in sämtlichen Parlamentshinterkammern der westlichen und östlichen Hemisphäre ein- und ausgehen. Und dabei paradoxerweise nicht die Keule schwingen, sondern sehr zivilisiert das Friedenspfeifchen rauchen und es in der Runde der Mächtigen kreisen lassen – damit wenigstens in diesen Räumen heiteres Konsens- und Kooperationsklima zu gedeihen vermag und das Geschäft mit den Keulen weiterhin kräftig prosperiert.

Urs Bigler

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Zeitungen sind Meinungsmacher

Wenn die meisten Westeuropäer davon ausgehen, dass die Separatisten schuld am Abschuss von Flugzeug MH17 sind, dann ist dies vor allem das Verdienst der vereinigten westlichen Abkupfer- und Abschreibegemeinschaft, die sich lügnerisch als unabhängige Presse anbietet. Vereinzelt gibt es sie aber noch, die kritischen Stimmen, so zum Beispiel (gelesen auf http://www.voicesofliberty.com):

„The little that we have heard from U.S. intelligence is that it has no evidence that Russia was involved. Yet the war propaganda was successful in convincing the American public that it was all Russia’s fault. It’s hard to believe that the U.S., with all of its spy satellites available for monitoring everything in Ukraine that precise proof of who did what and when is not available.

When evidence contradicts our government’s accusations, the evidence is never revealed to the public—for national security reasons, of course. Some independent sources claim that the crash site revealed evidence that bullet holes may have come from a fighter jet. If true, it would implicate western Ukraine.

Questions do remain regarding the serious international incident. Too bad we can’t count on our government to just tell us the truth and show us the evidence. I’m convinced that it knows a lot more than it’s telling us.“

Inneres und äußeres Feuer

Was geschieht, wenn die innere Wärme, das Feuer des egoistischen Seins, nicht mehr in positiver Weise für die Entwicklung des Individuums und der Gesellschaft brennt?

So wie ohne das äußere Feuer sich keine Kultur und keine Technik entwickeln konnten, ebenso kann ohne das innere Feuer kein Mensch als sich selber wertschätzendes und wertgeschätztes Glied einer Gesellschaft leben. Und ebenso wie das äußere Feuer zerstörend wirken kann, so kann dies auch das nicht erkannte und nicht anerkannte innere Feuer.
Was geschieht, wenn das innere Feuer erlischt? Nur die Flamme, die selber brennt, wird vom Feuer nicht verzehrt. Erlischt das innere Feuer der Begeisterung für die Wahrheit, für eine Sache, für die Welt, für die Mitmenschen, für irgendetwas … dann verliert der Mensch sich selber. Seinen Sinn. Dieser Selbstverlust lässt den Menschen verzweifeln. Resignation oder Wut können aus dieser Verzweiflung resultieren. Resignation kann im Medikamentenmissbrauch oder im Drogenrausch enden. Wut kann anderswie als Revolte oder auch als Rache an der Gesellschaft zum Ausdruck kommen. An einer Gesellschaft, die dem Individuum durch das Diktat der festgelegten Normen, durch Konvention also, aber ebenso durch routinemäßiges Gewohnheitsdenken und Nachreden dessen, was vorgeredet wird, keine Anerkennung schenkt und keine Entwicklungsmöglichkeit bietet.

Wie die Wut zum Ausdruck kommt

Jugendrevolten sind spektakulär und damit auch medienwirksam. Darin regt sich etwas Gesundes, leider aber auch Verirrtes …
Aber nicht nur darin spiegelt sich das ganze Ausmaß der Not und kommt eine bedrohliche Entwicklung zum Ausdruck. Was ist z.B. mit den klassischen Zivilisationskrankheiten, allen voran das Thema der Depressionen? Diese vollziehen sich zwar unauffälliger, sind aber ein zunehmend flächendeckendes Problem der postmodernen Gesellschaft. Was ist mit Essstörungen, Alkohol- und Tablettenmissbrauch? Und was heißt es, dass die Betroffenen immer jünger werden? Offensichtlich sind der Gesellschaft aber resignierende Jugendliche lieber als revoltierende. Gegen Depressionen gibt es Psychiater und Medikamente. Gegen Revolten ist kein Kraut gewachsen – da müsste die Gesellschaft zu einem Paradigmenwechsel kommen …

Wenn inneres Feuer scheinbar nicht mehr brennt

Wir gehen dem Phänomen Feuer nach und entdecken seine zentrale Rolle im Konflikt des Individuums mit einer Gesellschaft, in der kein inneres Feuer mehr zu brennen scheint, in einer Gesellschaft, in der alles kalt, hohl und leer geworden zu sein scheint. Dies ist aber nur scheinbar so, denn dass das Feuer noch da ist, das zeigen uns die Revolten. Nur ist das Feuer nicht am richtigen Ort.
So entsteht die Frage, welche Aufgabe das innere Feuer des Individuums für die Gesellschaft hat und welche Verantwortung die Gesellschaft dafür trägt, dass das Feuer, die Glut im Innern des Individuums erhalten bleibt. Wenn das Feuer am falschen Ort brennt, wirkt es auf »böse« und zerstörerische Weise. Wie steht diese Tatsache im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang? Die »Frage des Bösen«, seine Berechtigung und seine Aufgabe in der Evolution der Menschheit?
So ist es zu hoffen, dass derlei Fragen vom denkenden Menschen aufgeworfen werden, die zum Suchen von Zusammenhängen des Individuums mit der Gesellschaft und der es umgebenden Welt anregen.

Inneres Feuer und neue Kulturimpulse

Diese Fragen sollen aus dem Leben heraus entstehen und aus dem Leben heraus beantwortet werden. Es sollen dadurch Ansätze und Werkzeuge bereitgestellt werden, die zu individuellen Antworten anleiten, wie das innere Feuer zu einem neuen Kulturimpuls führen kann. Zu einem Impuls, der vom antrainierten Konsumverhalten der Persönlichkeit wegführt und Möglichkeiten zur individuellen und damit freien Selbstgestaltung des Menschen leitet. So gesehen sind Revolten, Proteste und Krawalle ein Hilfeschrei des individuellen Menschen.

Von einer Norm- zu einer Individualethik

Es ist die Kraft zur Individuation (nicht die Kraft des Egoismus, der nur eine Durchgangsstufe zur echten Individualisierung ist), die sich darin unbewusst manifestiert. Denn Lösungen von gesellschaftlichen Problemen können im 21. Jahrhundert nicht mehr durch von außen übergestülpte Normen gebracht werden. Die Beobachtung zeigt, dass wenn Normen verwirklicht werden sollen, welche den individuellen Lebenswirklichkeiten widersprechen, sich dann im Individuum etwas vorerst Unbestimmtes, Unbewusstes zu wehren beginnt, welches den Widerstand, die Wut, das Chaos und die Zerstörung auslöst. So gibt es nur den Weg von einer Normethik zu einer Individualethik. Den Weg vom egoistischen Sein für sich allein zum ethischen Egoismus des Seins für die Welt – welcher als einziger das Individuum sich kräftig in der Gemeinschaft entwickeln lässt, so dass es an sich glauben und damit überleben kann.

Fritz Frey

Verschwörung der Mächtigen – die braucht es gar nicht

Wenn einflussreiche Verleger, Politiker, Wirtschaftskapitäne und Regierungsmitglieder alljährlich zu einem Bilderberger-Treffen pilgern, läuten bei dem einen oder anderen die Alarmglocken. Gewiss, schon ein bisschen skeptisch stimmt die Tatsache, dass an solchen Zusammenkünften keine Journalisten zugegen sein dürfen, die der Welt über das Gemauschel bei Champagner und Kaviar berichten können. Und wo kein Licht der Aufklärung hingelangt, da gibt es stets Raum für düstere Szenarien und jedem brennt schnell die Frage auf der Zunge, was sich die VIP gegenseitig an Konspirativem in den Ohrschmalz hauchen.

Falsch ist wohl anzunehmen, dass an diesen Treffen ausgereifte Komplotte und Taktiken aus der Taufe gehoben würden, auch wenn sich wohl der eine oder andere Mächtige mit einem Gleichgesinnten trifft und Dinge in einem Hinterkämmerchen beschlossen werden, die weitreichende Konsequenzen haben. Aber die Verklumpung von Interessen geschieht viel subtiler. Und das ist wohl die schlimme Krux – nicht auf der Ebene von konkreten, ausformulierten Absprachen, die gar einem unerschrockenen Journalisten in die Hände gespielt werden könnten, sondern auf der Spürst-du-mich-fühl-ich-dich-Ebene.

Ich spüre dich – du fühlst mich: Dieses Prinzip beherrscht wohl das Spinnennetz der Mächtigen. Um jenen Lesern und Leserinnen mit weniger dunkler Ahnung auf die Sprünge zu helfen, erlaube ich es mir, dazu ein kurzes Szenario zu entwerfen. Die Hauptrollen darin: der oberste Boss eines Medienkonzerns und der oberste Chef eines Autokonzerns, beides Männer mit handfesten Interessen und hennenhafter Sorge, was ihr Unternehmen angeht. Schließlich haben sie beide einen Haufen zu finanzieren – Privatjets, einige Wohnungen (St. Moritz, Zug, Paris, München, London, New York), Villen (Antibes, Florida, Seychellen), Bentleys, Maybachs, Porsches, Ferraris, BMWs, Pferdeställe mit heißblütigen Arabern und … und … und

Dass sich die beiden Herren irgendwann im Leben treffen, ist nicht Zufall, sondern höchstwahrscheinlich. Denn Schwerreiche haben ihre Nester in wenigen auserlesenen Luxusresorts dieser Welt und stolpern sich wenn nicht schon im Januar, so spätestens im Februar über die feinen, sohlengenähten Schlangenlederlatschen.
Wir dürfen also davon ausgehen, dass sich der Medienmogul und der oberste Karossenbauer mehrmals treffen im Jahr, vielleicht an der Riviera im Frühsommer, bei einem Segeltörn auf den Seychellen im Herbst oder im Winter in St. Moritz an einer Silvestergala. Selbstverständlich versteht man sich auf Anhieb, man spürt sich, fühlt sich. Schliesslich hat man dieselben Nöte, muss die Bürde eines Lebensstils mit horrenden Fixkosten tragen und ist ständig auf der Suche nach sprudelnden Einnahmequellen.

Und nun, was geschieht wohl, wenn der Autobauer die Eigenkapitalrendite von fünf auf acht Prozent steigern will und dazu fünftausend Familenväter auf die Strasse stellt? Erbostes Echo in der Presse? Parteinahme für die Arbeitslosen?
Vielleicht. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Nicht, dass der Vorfall totgeschwiegen würde, nein, wo kämen wir denn hin in einer westlichen Welt mit einer engagierten, unabhängigen Presse. Die Massenentlassung wird selbstverständlich erwähnt. Und zwar mit dem hehren Hinweis, dass sie eine weitsichtige Maßnahme von verantwortungsvollen Führungskräften sei, denen nichts anderes so am Herzen liege wie das Überleben des Konzerns und die Sicherung der Arbeitsplätze.
Dafür wird der Zeitungsboss belohnt: mit Werbekampagnen, welche die Kassen füllen und die ihm so ans Herz gewachsenen wichtigen Einahmequellen munter sprudeln lassen.
Und viel muss er dafür nicht tun, ja, er bequemt sich gar nicht erst in die zuständigen Redaktionen. Denn auch in einem Medienkonzern gilt natürlich das Spürst-du-mich-fühlst-du-mich-Prinzip. Schließlich sind alle, vom Chefredaktor bis hin zur Putze feinfühlige Leute. Und solche merken mit verbundenen Augen, wie der oberste Boss tickt. Es genügt, wenn der Medienmogul einmal während eines Firmenanlasses oder in einem Interview in der internen PR-Zeitung durchblicken lässt, wie wichtig ihm die Beziehung zum obersten Sesseldrücker des Automobilkonzerns ist. Dann weiß es jeder. Vom Gratispraktikanten hin zum Chefredaktor. Und vielleicht mag sich der eine oder andere gar an einen besonders bedeutungsschwangeren Satz des Big Bosses erinnern: „Mit dem habe ich eine Woche auf den Seychellen bei einem Segeltörn verbracht!“

Nicht nur der Chefredaktor ist fortan besorgt, dass man mit äusserst weicher Feder über den Autobauer und seine Geschäfte schreibt. Man spürt in den Redaktionen, was der oberste Boss will, man fühlt ihn besser als dessen Ehefrau. Und das ist existenziell, viel existenzieller als jede Kenntnis der Grammatik oder journalistische Recherchetechnik. Schließlich hat man ein Häuschen auf Kredit gekauft, muss drei Kinder durch die Schule und Universität schleusen, muss das Leasing eines teuren Chlapfs berappen, hat einen Mops mit Zahnschmerzen und … und … und …

Wenn es letztlich um die Vergabe des Themas geht, also um die heikle Frage, wer denn über die Massenentlassung schreibt, spürt der Chefredaktor, wem er eine Freude machen kann – er lädt den ambitioniertesten Praktikanten in sein Büro und liest diesem einen Wunsch von der Stirn ab – den Wunsch, endlich einen ersten Artikel auf Seite drei zu platzieren. Dem jungen Mann kullern fast die Augen über vor Freude und er wittert gar eine Festanstellung nach seinem zweijährigen Gratispraktikum. Er wird sein Bestes geben. Er wird so schreiben, dass der Chefredaktor Engelsgesang in den Ohren hat. Er spürt, er fühlt ihn mit allen seinen unausgesprochenen Wünschen. Da ist die Schlussbemerkung, die zwischen Tür und Angel fällt, fast nicht mehr nötig: „Ach ja, der Herr Autobauer ist ein guter Rotarierfreund unsers Zeitungschefs! Sie machen den beiden sicher eine Freude!“

Kurz und weniger gut: Mächtige müssen sich nicht verschwören, um ihre egoistischen Interessen auf Kosten der Gesellschaft durchzusetzen, dazu genügt allein, dass sie sich näherkommen, einander spüren und fühlen. Vielleicht könnte man dies das Axiom der egoistischen Verklumpung nennen, das Spürst-du-mich-fühlst-du-mich-Prinzip eben, es ist wohl ein sehr menschliches Prinzip, das an den Finanzmächtigen klebt wie Fliegen an frischen Rossbollen und dem so wenig beizukommen ist wie einem lästigen Brummerschwarm in Aktion.

Urs Bigler

Vor zweihundert Jahren verstorben: Marquis de Sade – die Lehren für unsere Zeit

Eine Buchbesprechung von Volker Reinhardts Biographie De Sade – die Vermessung des Bösen findet sich in Lektüretipp (Sachbuch)

Das Alltagsdenken, egal in welcher sozialen Schicht, ist stets durch Routine, Konvention und Phrase geprägt. Gegen diese Tatsache wirkt die lebendige Geistesgegenwart, die von diesen „drei Tieren“ immer als Bedrohung wahrgenommen wird. Daher wehren sich die Gedankenfaulen auch mit allen Mitteln gegen die Präsenz wachen, lebendigen Denkens seit jeher und sie werden es immer tun.
Routine, Konvention und Phrase sind die Programmierungsmittel, durch die das freie Individuum in die Schranken gewiesen wird; es soll damit auf Teufel komm raus verhindert werden, dass es aus freiem schöpferischem Denken der Zusammenhänge in Gesellschaft, Natur und Wissenschaft zu nichts anderem gelangen kann, als zu einem ethischen Individualismus, der wahres Menschsein ausmacht.
Der günstige Weg bedingt aber das Folgende: Im Menschen kann sich die Natur ihrer selbst bewusst werden, daher kann er auch die Zusammenhänge mit der Natur so gestalten, dass das Zusammenleben mit ihr fruchtbar ist.
Wird sich die Natur ihrer selbst im Menschen nicht bewusst, wuchert sie durch Instinkt, Trieb und Begierde ausbeuterisch und richtet sich durch den Menschen, der ja auch ein Teil der Natur ist, selber zugrunde – der Mensch wird so schlimmer als jedes Tier. Wird sich die Natur aber im lebensvollen Denken, das frei von jeglicher Routine, Phrase und Konvention ist, im Menschen ihrer selbst bewusst, dann „jubelt die Schöpfung“ einer neuen Stufe ihrer Entwicklung entgegen. An diesem Knackpunkt steht die postmoderne Gesellschaft. Das vermag De Sade noch nicht so zu sehen, weil die ganzen Folgen der Industrialisierung erst erahnt werden und er nicht wissen kann, dass sich Neigungen und Leidenschaften, bedingt durch die natur- und nicht vernunftgegebenen Instinkte sowie Triebe und Begierden, durch den Menschen gegen die Natur und gegen ihn selber richten. Das Ausbeuten der Ressourcen der Welt und die Konflikte in allen an Bodenschätzen reichen Gebieten lassen sich auf diese Tatsache zurückführen.
Der Mensch hat die Möglichkeit, neue Instinkte, Triebe und Begierden durch die Vernunft, das Erkennen dessen, wie alles zusammenhängt, zu erzeugen:

  • nicht durch einen künstlichen naturwidrigen Altruismus
  • nicht durch heuchlerische Umweltaktionen
  • nicht durch das Helfersyndrom mit Fokus auf arme Mitmenschen

sondern:

  • durch das egoistische Bedürfnis, dass es ihm selber besser geht, wenn es der Mutter, dem Vater, der Schwester, dem Bruder besser geht
  • durch das egoistische Bedürfnis, dass es ihm selber besser geht, wenn
    es der Gemeinde, der Stadt, dem Land besser geht
  • durch das egoistische Bedürfnis, dass es ihm selber besser geht, wenn
    es den Zulukaffern und Pigmäen besser geht.

Durch diesen neuen Egoismus entstehen neue Instinkte, Triebe und Begierden, allerdings nur, wenn routinemäßiges, konventionelles, phrasenschweinhaftes Denken umgewandelt wird in ein solches, in dem sich die Natur im Menschen in ihrer Gestaltkraft selber bewusst wird.

Das konnte ansatzweise erst im 19. Jahrhundert gedacht werden. Im 20. Jahrhundert schrien die gesellschaftlichen und kriegerischen Ereignisse nach dieser Erkenntnis und jetzt im 21. Jahrhundert sind die Voraussetzungen da, dies wirklich zu erkennen. Die Evolution schreitet weiter in diesem Sinne, wer ihr folgt, trägt bei zum Fortschritt. Wer nicht mitmachen will, wirkt entwicklungshemmend – genauso, wie der ganze militärisch-industrielle Komplex mit seinem Überwachungsapparat.
Tröstlich: Die Evolution geht so oder so weiter und wird ihre nächste Stufe erreichen. Daher: Willkommen sei in der kleinen Schar, wer den Schritt zu neuen Instinkten, Trieben und Begierden wagen will. Aus Freiheit.

Fritz Frey

Was Herrscher westlicher Demokraturen brauchen: die Medien

Das A und O hegemonialer Politik ist die Beherrschung der Medienlandschaft. Das hat auch schon Sir Moses Montefiori erkannt. In seinem Historisch genealogischen Tagebuch von 1912 schreibt er: „Was faselt Ihr? Solange wir nicht die Presse der ganzen Welt in Händen haben, ist alles, was Ihr tut, vergeblich; wir müssen die Zeitungen der Welt beeinflussen, um die Völker zu täuschen und betäuben“.

Er würde wohl Freudesprünge über die Zustände der amerikanischen Presselandschaft des ausgehenden 20. Jh. machen. Auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (http://www.bpb.de/internationales/amerika/usa/10707/medien-in-den-usa) ist zu lesen:

„Die Vielzahl der Medien könnte zumindest eine Vielfalt an Informationen nahelegen. Doch weit gefehlt. Die in den USA gern befolgten Gesetze der Marktwirtschaft haben seit den 1980er Jahren für eine enorme Deregulierung der Eigentumsverhältnisse an Medienunternehmen gesorgt. Während 1983 noch 50 Unternehmen sich die überwiegende Anzahl der Medienbetriebe teilten, hatte sich diese Anzahl bis 1992 auf zwei Dutzend verringert. Fünfzehn Jahre später sind es gerade einmal fünf Konglomerate, die über 90% des Marktes kontrollieren: Time Warner, Disney, Murdoch´s News Corporation, General Electric/NBC und CBS Corp. (zuvor Viacom). Etliche Kritiker sehen in dieser hochkonzentrierten Medienlandschaft eine Gefahr für die Demokratie. Themen und Argumente, die den Interessen großer Konglomerate zuwider laufen, finden immer weniger Beachtung in den von ihnen kontrollierten Medien.“

Aber auch über die Entwicklung in Europa wäre er hocherfreut. Dazu ein Beitrag (von der 37sten Minute an) aus der Satiresendung „Die Anstalt“:

Wie sensibel die Mächtigen reagieren, zeigt das juristische Nachspiel zu dieser Sendung:
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article130688057/Zeit-Journalisten-ziehen-gegen-Kabarett-Beitrag-vor-Gericht.html

Urs Bigler

Der Zufall, das Hätschelkind der Mächtigen?

Der Zufall scheint ein wählerischer Bursche zu sein. Zumindest hält er nichts von den Schwachen. Dafür umso mehr von den Mächtigen dieser Welt.

Halten wir uns an harte Fakten:
Da erscheint kurz nach Weihnachten 1890 (26.12.1890) in der englischen Wochenschrift „Truth“ zufällig eine Karikatur zur Auflösung der Monarchien in Europa – und dies zufällig 24 Jahre vor Beginn des ersten Weltkrieges, der zum weitgehenden Zerfall des Deutschen Kaisertums und der Donaumonarchie führt und die restlichen Monarchien in die Bedeutungslosigkeit versinken lässt.

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Welch interessante, prospektive Karte!
Der Titel der Karikatur heißt „The Kaiser´s Dream“. Gezeichnet wurde die Karikatur von einem Herrn Labouchère.
Die Karte zeigt die Aufstückelung vor allem des deutschen Kaiserreiches und – auffällig – ein russisches Zarenreich, das als russische Wüste bezeichnet wird. In der Tat geht das bedauernswerte Russland aus dem Ersten Weltkrieg als „Russian Desert“ hervor. Wenn der seriöse Teil der Karikatur genauer angeschaut wird (siehe Vergrösserung unten), dann kann nicht mehr von „Kaisers Traum“ gesprochen werden, dann hat man „Kaisers Alptraum“ vor Augen.

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Ein Blick auf Mitteleuropa zeigt, wie das Deutsche Reich in verschiedene Republiken aufgeteilt ist und in ein Land mit der Bezeichnung „Austrian Republic“. Nun gab es ja nach dem Ersten Weltkrieg keinen Friedensschluss und der Zweite folgte sogleich. Resultat: Deutschland wurde in die Besatzungszonen aufgeteilt und anstelle der „Austrian Republic“ kann man getrost das Jugoslawien Titos und den kommunistischen Sonderling Albanien sehen.
Was für ein Zufall.

Aber der Zufall ist den Herren dieser Welt noch viel wohlgesinnter, als es sich die unschuldigen Zeitgenossen in ihren verheerendsten Alpträumen vorstellen können.
Wiederum ganz zufällig taucht in der renommierten britischen Wochenzeitung The Economist eine weitere Karikatur auf. In der von The Economist Newspaper Limited in London herausgegebenen Zeitung liberaler Prägung und globaler Berichterstattung mit einer Auflage von etwa 1´420´000 Exemplaren, die in 200 Ländern verkauft werden, erschien doch tatsächlich am 1. September 1990, etwas weniger als 100 Jahre, nachdem die Karikatur in „The Truth“ publiziert worden war, eine „neue und akkurate Weltkarte“. Ach, noch etwas ist zu bemerken: Dies war ziemlich genau 24 Jahre vor der Ukraine-Krise, die durch den „Zuneigungswunsch“ des „Ukrainischen Volkes“ ausgelöst wurde, d. h. durch den Wunsch, mit der EU anzubändeln.
Da die EU nicht so ganz begeistert davon ist, lehnen sich die neuen Schokolade-Oligarchen halt etwas näher an die USA an. Dies ist einer Pressemitteilung vom 28. Juli 2014 zu entnehmen: „Zehn Abgeordnete der beiden Kongressparteien haben in das US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf eingebracht, mit dem die Ukraine als Militärverbündeter der USA anerkannt werden soll, wie der Pressedienst des Republikaners Jim Gerlach, einer der Verfasser des Dokuments, mitteilte.“ Ein Schelm, der Böses denkt!

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Welch überraschende Neugestaltung der Welt: EURO-AMERICA – EURO-ASIA bilden zwei verschiedene Kultureinheiten. Die Trennungslinie führt vom Balkan durch die osteuropäischen Länder hinauf nach Ostskandinavien. Nicht ganz klar ist der Linienverlauf durch die osteuropäischen Gebiete, da die akkurate Karte Interpretationsspielraum zulässt. Das Übergangsgebiet der Ukraine ist auch hier nicht ganz klar zuzuordnen. Welch ein Zufall!

Interessant ist aber der Blick auf ISLAMISTAN, da scheinen die ISIS-Kämpfer daran, sich ganz nach dieser Karte richten zu wollen. Man beachte das Geschehen seit dem zufällig und ganz unerwartet ausgebrochenen Irakkrieg über die verschiedenen Stufen des blutmondhaften Arabischen Frühlings bis heute.

KONFUZIANIA (heute: China, Japan und Australien) dagegen scheint sich noch nicht so recht an die Vorgaben halten zu wollen. Aber warten wir‘s nur ab, welche Bockssprünge die Weltgeschichte noch machen wird. Manchmal geht alles sehr schnell:
Wer weiß, vielleicht ein neues 9/11 oder ein neuer Flugzeugabsturz, bei dem die Meinungsmacher schon kurz nach dem tragischen Ereignis die Schuldigen festnageln, notabene mit Beweisen, die von den Geheimdiensten aus den „social media“ gefischt werden (auf die sie ja, wie wir von Snowden wissen, leicht Zugriff haben), kann sich die Welt auf irreversible Art und Weise von heute auf morgen verändern.
Blitzartig kann das gehen! Sollte diese Veränderung der „neuen und akkuraten Karte“ gleichen, wäre das schon eine klitzekleine Überraschung. Sollte sich diese Wende aber nicht kartengleich vollziehen, dann ist es klar: Alles nur Zufall!

Fritz Frey

Weiterführende Infos: